BERLINER MORGENPOST: Eine Initiative, die Erfolg verdient / Leitartikel von Jochim Stoltenberg

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ID: 679603
(ots) - Europa einmal anders: In diesem Fall geht es nicht
schon wieder um Geld, Schulden oder Vertragsbruch, sondern um
Menschen, vornehmlich um beschäftigungslose Jugendliche. Angesichts
der dramatisch hohen Arbeitslosigkeit junger Menschen in Spanien -
fast 50 Prozent sind erwerbslos - arbeitet Bundesbildungsministerin
Annette Schavan (CDU) an dem Plan, junge Spanier als Auszubildende
nach Deutschland zu holen. Das könnte zu einer Win-win-Situation
führen, weil in Deutschland wiederum Fachkräfte - und auch Lehrlinge
- fehlen. Ein lohnens- und zugleich lobenswerter Versuch also, den
die deutsche Bildungsministerin startet. Und zugleich ein Exempel
dafür, dass die Idee vom gemeinsamen Europa mehr ist als das
finanzielle Aushalten überschuldeter Partnerländer und die Rettung
bankrotter Banken. Diesmal stehen recht konkret Zukunftschancen für
junge Menschen im Zentrum der Überlegungen und damit das große
überwölbende Ziel der Europäischen Gemeinschaft: Das Zusammenwachsen
des Kontinents, damit verbunden die kontinuierliche Verbesserung der
Lebensverhältnisse über Grenzen hinweg. Doch leider ist diese
wunderbare Idee - wie so viele andere in Europa - kein Selbstläufer.
Auf dem Weg zum Erfolg stehen viele Hürden. Da muss vor allem das
Interesse junger Spanier gegeben sein, sich fern der Familie in
Deutschland ausbilden zu lassen. Ein Grundverständnis der deutschen
Sprache ist unabdingbar, ebenso wie ein gewisses Bildungsniveau. Auch
Letzteres ein Hindernis, weil viele arbeitslose Jugendliche in
Spanien frühe Schulabbrecher sind. Eine schnelle Lösung der
Jugendarbeitslosigkeit in Spanien ist auch dann nicht zu erwarten,
wenn dort nach deutschem Vorbild das duale Ausbildungssystem
eingeführt wird, wie es die Bundesbildungsministerin Schavan am
Donnerstag mit ihrem Madrider Kollegen vereinbart hat. Auch in der


Bundesrepublik suchen noch viele junge Deutsche einen
Ausbildungsplatz. Mutige neue Wege zu denken und zu wagen ist aber
allemal besser, als eine ganze Generation junger Menschen ihrer
Zukunftschance zu berauben. In diesem Zusammenhang ist allerdings
nicht allein die Politik gefragt, auch die Wirtschaft, die in manchen
Bereichen schon händeringend Auszubildende sucht. Die Unternehmen
müssen sich, meinen sie es ernst mit dem Nachwuchs aus Spanien,
dessen Kommen etwas kosten lassen. Weil das Lehrlingsgehalt in Höhe
von rund 600 Euro pro Monat nicht reicht, stehen mindestens Zuschüsse
für Sprachunterricht und Unterkunft an. Zu Recht warnt die
Bundesagentur für Arbeit vor zu hohen Erwartungen. Ministerin Schavan
hat denn auch nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Initiative
angestoßen, der Erfolg zu wünschen ist. Ein schneller wird es ohnehin
nicht. Warten wir einfach mal das Ergebnis ab - verbunden mit viel
Hoffnung. Und vergessen wir dabei bitte nicht, dass es auch in
Deutschland noch ein beträchtliches Potenzial Jugendlicher gibt, die
für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden müssen.



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