Allg. Zeitung Mainz: Holzhammer / Kommentar zu Junckers Zorn
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Kaum weilt der Bundesfinanzminister im Urlaub auf Sylt, verliert sein
wichtigster Gesprächspartner in Euroland, Jean-Claude Juncker, die
Geduld mit der deutschen Politik. Dabei ist er nicht zimperlich, was
naturgemäß zu ähnlich starken Worten bei denen führt, die Juncker
aufs Korn nimmt. Wäre die Lage nicht so heikel, man könnte das Duell
zwischen dem Eurogruppenchef und der CDU/CSU fast genießen. So aber
fällt es schwer, Verständnis für den Zornesausbruch des Luxemburger
Ministerpräsidenten aufzubringen. Warum, so fragt Juncker, betreibt
man mit derEurorettung in Deutschland Innenpolitik und warum
behandelt Deutschland die Eurozone wie eine Filiale? Lieber,
hochgeschätzter Herr Juncker, die Antwort ist simpel: weil die Bürger
das von ihren gewählten Volksvertretern erwarten. Denn der Unwille,
weiter für die zu zahlen, die über ihre Verhältnisse leben und sich
nur ungenügend an die Vorgaben halten, die man ihnen macht, ist
selbst bei den Wohlwollenden spürbar. Und wenn dann einer den starken
Mann markiert, wohl wissend, dass Deutschland ein sattes Drittel
aller Kosten schultert, und trotz aller Unkenrufe auch zu schultern
bereit ist, dann regiert eben der Holzhammer. Deutschland steht zum
Euro, denn es profitiert von ihm weit mehr als jedes andere Land in
Euroland. Wer das leugnet, kann nicht lesen und nicht rechnen.
Wolfgang Schäuble kann lesen und rechnen, noch viel wichtiger aber:
Er hält seine Zunge im Zaum, weil er weiß, dass man nur miteinander
erfolgreich sein wird. Jean-Claude Juncker sollte also lieber
konstruktive Interviews geben statt provozierende. Wie man das macht,
kann er bei Wolfgang Schäuble erfragen. Er braucht nur in Sylt
vorbeischauen.
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Datum: 30.07.2012 - 18:44 Uhr
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