Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zum Organspende-Skandal
ID: 698143
Moderne Menschenführung sieht anders aus: Der Vorstandsvorsitzende
und Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Regensburg, Prof.
Dr. Günter Riegger, lässt momentan keine Chance ungenutzt, um seinen
Mitarbeiter und Kollegen Prof. Dr. Hans J. Schlitt in aller
Öffentlichkeit zu demontieren - obwohl dessen Schuld oder Mitschuld
am Transplantations-Skandal nach Aussagen der Regensburger
Staatsanwaltschaft noch gar nicht erwiesen ist. Dennoch sagte Riegger
an Schlitts Adresse unmittelbar nach dessen Beurlaubung in der
vergangenen Woche, dass "ein Klinik-Chef Kontrolle über seine
Oberärzte ausüben muss". Das mag zutreffend sein. Von einem
Vorgesetzten, der sein Handwerk versteht, darf bzw. muss man einen
solchen Satz erwarten - allerdings hinter verschlossenen Türen und
nicht vor eingeschalteten Mikrofonen. Gleiches gilt für die
öffentliche Ankündigung vom Freitag, eine Anwaltskanzlei werde
personalrechtliche Aspekte der Vorgänge untersuchen. Riegger vergisst
- oder will vergessen machen -, dass er mit im Boot sitzt. Denn
schließlich muss ein Ärztlicher Direktor auch Kontrolle über seine
Klinik-Chefs ausüben. Dies umso mehr, als er von der
Bundesärztekammer bereits mit Schreiben vom 7. Dezember 2006 auf die
Missstände in seinem Haus hingewiesen wurde. Hätte er schon damals
mit solcher Vehemenz den Aufklärer gespielt, würde man ihm heute wohl
abnehmen, dass es ihm nur um Transparenz geht. So aber bleibt ein
fader Beigeschmack.
von Wolfgang Ziegler, MZ
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Datum: 10.08.2012 - 19:08 Uhr
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