RNZ: "Schicksalstage" - Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg) zu Botschaften/Gewalt
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Erst Libyen und Ägypten, jetzt Tunesien und der Sudan - fast
scheint es, als würde gerade eine zweite Welle des Aufstands durch
den arabischen Raum laufen. Nur, dass sich dieses Mal der Albtraum
der westlichen Welt zu bewahrheiten scheint: Nachdem sich die Völker
von ihren Diktatoren befreit haben, richten sie sich jetzt gegen "den
Westen". Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Freiheit - fallen die zarten
Sprösslinge jetzt der Hasswelle zum Opfer, die die billigen
Provokationen eines islamfeindlichen Schmähfilms hervorriefen? Ganz
so schwarz muss man die Situation wohl noch nicht sehen. Denn auch
wenn die Bilder der Botschaftsstürmungen erschrecken, sind es doch
noch Minderheiten, die sich zu dieser blinden Wut aufhetzen lassen.
Noch haben die Proteste eine ganz andere Qualität als während des
"Arabischen Frühlings". Dennoch sollten sie nicht unterschätzt
werden. Im Umgang der neuen Regierungen mit den Gewaltausbrüchen
zeigt sich, in welche Richtung sich die Region entwickelt. Bislang
profitierten die islamistischen Bewegungen wie Muslimbrüder und
Salafisten vom demokratischen Wandel. Werden sie jetzt bereit sein,
diese Freiheiten auch für andere zu verteidigen? Es sind
Schicksalstage für die jungen arabischen Demokratien.
Pressekontakt:
Rhein-Neckar-Zeitung
Dr. Klaus Welzel
Telefon: +49 (06221) 519-5011
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Datum: 14.09.2012 - 20:05 Uhr
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