Mittelbayerische Zeitung: Gefährlicher Insel-Streit

Mittelbayerische Zeitung: Gefährlicher Insel-Streit

ID: 726258
(ots) - Von Louisa Knobloch

Geschlossene Fabriken, zerstörte Autos und Geschäfte: China erlebt
gerade die schwersten anti-japanischen Proteste seit Jahrzehnten.
Sogar der Ruf nach Krieg mit dem Inselstaat wird laut. Dass der
Streit um den Ankauf dreier unbewohnter Inseln durch die japanische
Regierung in China so hohe Wellen schlägt, mag hierzulande für
Unverständnis sorgen. Die Situation ist jedoch viel komplizierter als
sie zunächst scheint - und könnte sehr gefährlich werden. Strittig
ist, wem die in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannten Inseln
überhaupt gehören. Japan will die Inselgruppe 1884 entdeckt haben -
1895 wurden sie während des Ersten Japanisch-Chinesischen Krieges zum
japanischen Hoheitsgebiet erklärt. China behauptet seinerseits, die
Inseln hätten schon in der Ming-Dynastie zum damaligen Kaiserreich
gehört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Inseln unter
amerikanische Militärverwaltung gestellt und schließlich 1972 von den
USA an Japan gegeben. Sowohl China als auch Taiwan machten ebenfalls
Ansprüche geltend. Die Inseln hatten an Bedeutung gewonnen, weil Ende
der 60er Jahre dort große Erdöl- und Erdgasvorkommen entdeckt worden
waren. Zudem gelten die Gewässer rund um die fünf Inseln und drei
Felsenriffe als fischreich. Sowohl China mit seiner wachsenden
Wirtschaft als auch das rohstoffarme Japan haben an Öl und Gas großes
Interesse - aktuell mehr denn je. Nach der Katastrophe von Fukushima
schaltete Japan seine Atomkraftwerke ab und musste daher mehr Erdgas
und Rohöl importieren. Dadurch wies die Handelsbilanz des Landes 2011
erstmals seit 30 Jahren ein Defizit aus. Die japanische Regierung hat
die Inseln aber nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen gekauft: Im
April hatte nämlich zuerst der Gouverneur von Tokio, Shintaro
Ishihara, angekündigt, dass die Präfektur Tokio drei der Inseln von


einem japanischen Geschäftsmann erwerben wolle, um sie vor der
Übernahme durch China oder Taiwan zu schützen. Ishihara ist ein
rechtsnationaler Hardliner, der China schon häufig durch seine
extremen Äußerungen provoziert hatte. So leugnete er in einem
Interview das Massaker von Nanking, bei dem japanische Soldaten 1937
über 200 000 Chinesen töteten. Japans Regierung befürchtete, dass ein
von Ishihara geführter Kauf der Inseln die Beziehungen zu China
schwer belasten könnte - das kleinere Übel schien es, ihm
zuvorzukommen und sie selbst zu kaufen. Die anti-japanischen Proteste
in China hat das nicht verhindert. Der Bürgerrechtler Ai Weiwei warf
der Staats- und Parteiführung des Landes vor, die Demonstrationen zu
unterstützen. In der Tat ist es auffällig, dass man die Aufrührer
gewähren ließ - unerwünschter Protest wird in China sonst sehr
schnell unterdrückt. Trauriges Beispiel ist das Massaker auf dem
Platz des himmlischen Friedens 1989. Denkbar ist, dass die
Kommunistische Partei von Problemen im Inneren ablenken will. Mitte
Oktober steht ein Machtwechsel bevor, Vizepräsident Xi Jinping soll
Hu Jintao als Staats- und Parteichef ablösen. Da passt es gar nicht,
dass Chinas Politik zuletzt von mehreren Skandalen erschüttert wurde.
So wurde die Juristin Gu Kailai im August wegen Mordes an einem
britischen Geschäftsmann verurteilt - die Affäre beendete die
Karriere ihres Mannes Bo Xilai, der als aussichtsreicher Kandidat für
einen Führungsposten im Politbüro gegolten hatte. Auch ihm droht nun
ein Prozess. Von einem Handelskrieg - etwa durch den Boykott
japanischer Waren - ist in China schon die Rede. Auch ein
militärischer Konflikt ist nicht auszuschließen. Schiffe aus beiden
Ländern patrouillieren in den Gewässern, aus China ist eine Flotte
Fischerboote unterwegs. Bereits 2010 war es vor den Inseln zu einem
Zwischenfall gekommen, als ein chinesisches Fischerboot zwei Schiffe
der japanischen Küstenwache gerammt hatte. Sollte nun etwas ähnliches
passieren, könnten die Auswirkungen sehr viel schwerwiegender sein -
es sei denn, die beiden Regierungen gehen aufeinander zu. 2008 gab es
bereits Gespräche über die gemeinsame Entwicklung von Gasvorkommen im
Ostchinesischen Meer - sollte diesmal ein Abkommen gelingen, könnte
das Entspannung in den Insel-Streit bringen.



Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Mittelbayerische Zeitung: Profilierende Provokation Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Von der Leyen verärgert die FDP
Der Graben zwischen Schwarz und Gelb
ALEXANDRA JACOBSON, BERLIN
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 20.09.2012 - 19:26 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 726258
Anzahl Zeichen: 4735

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Regensburg



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 419 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Gefährlicher Insel-Streit"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Dunkle Wolken am Tag der Arbeit / Die Gewerkschaften stehen vor großen Herausforderungen. Hohe Tarifforderungen sind nachvollziehbar, aber sie dürfen die Inflation nicht zu sehr befeuern. ...
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C

Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt

Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,


Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung


Externe Koordinierungsstelle neu besetzt ...
Die 28-jährige Jessica Manske hatte nach ihrer Ausbildung an der Fachhochschule Hannover mit dem Schwerpunkt Stiftungsmanagement bereits Projekte im Bereich des Stadtteilmanagements geplant und betreut. Projektträger für die Externe Koordinierungsstelle im Rahmen des Bundesprogramms ist der Verei

Rechtsanwaltskanzlei Baumhäkel launcht neue Homepage ...
Mit Hauptsitz in Mainz und einer Zweigstelle in Wiesbaden berät und vertritt die Kanzlei Baumhäkel ihre Mandanten bereits seit vielen Jahren kompetent bei juristischen Anliegen in den Bereichen Arbeitsrecht, Strafrecht, Familienrecht, Erbrecht, Mietrecht und Verkehrsrecht. Durch den neuen Internet

Bundesgerichtshof: Post muss Publikation der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag als Postwurfsendung verteilen ...
Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat die Deutsche Post AG verurteilt, die Publikation "Klartext" der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag als Postwurfsendung zu verteilen. Die NPD-Fraktion gibt eine Druckschrift mit dem Titel "Klartext" heraus, in der über ihre Frak

Hans-Jürgen Beer­feltz: 'Öffent­liche Ver­wal­tung ist bür­ger­nah und transparent' ...
Lübeck - Der Staats­sekre­tär im BMZ, Hans-Jürgen Beer­feltz, ist zu Gast in seiner Heimat­stadt Lübeck beim Füh­rungs­kräfte­forum "Inno­va­tives Manage­ment 2012". Das Treffen, das sich in den ver­gan­genen zehn Jahren als Forum für den Er­fah­rungs­aus­tausch un


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z