Allg. Zeitung Mainz: Krank / Kommentar zu Essen an Schulen und Kitas
ID: 734817
an Schulen und Kitas massenhaft aufgetretenem Brechdurchfall lehrt
uns vor allem eines: Es ist letztlich egal, ob der Caterer Sodexo,
einer seiner Zulieferer oder doch eine ganz andere Quelle für die
Krankheiten verantwortlich ist. Tendenziell krank ist auf jeden Fall
das System, mit dem Kinder in doppeltem Wortsinn abgespeist werden.
Da wird in Großküchen gekocht, das Essen nicht selten über weite
Entfernungen transportiert und dann vor Ort wieder aufbereitet.
Sprich: Der Großteil der ohnehin knappen Budgets geht nicht für die
Zutaten, sondern für Personal- und Lieferkosten drauf. Wenn man dann
noch bedenkt, dass vielfach für ein Essen nicht mehr als zwei bis
2,50 Euro zur Verfügung stehen, kann man sich ungefähr ausrechnen,
wie es um die Verpflegung bestellt ist: Sie macht satt und Punkt. Wer
das beklagt, muss also bereit sein, mehr für Verpflegung auszugeben.
Dabei dürfen sich in erster Linie die Eltern angesprochen fühlen,
aber auch der Staat. Erstens, weil er da einspringen muss, wo
Familien finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Zweitens, weil die
Politik die komplette Situation erst herauf beschworen hat: Die
Schulzeit ist immer weiter verkürzt worden, viele Lehrpläne sind nur
im Ganz- oder Dreivierteltagsbetrieb zu stemmen. Aber auch aus
anderen Gründen sind Ganztagseinrichtungen im Bildungsbetrieb massiv
gewollt, schließlich bilden sie das Fundament der heiß diskutierten
Vereinbarkeit vonFamilie und Beruf. Wer vor diesem Hintergrund am
Mittagessen spart, spart auf dem Rücken der Kinder, die das
schwächste Glied in der Kette sind. Eine Schande. Und dann hat man
noch nicht darüber geredet, dass Eltern, die Verpflegung in
Eigenregie anbieten wollen, durch Bürokratie und Seilschaften
ausgebremst werden. Oder darüber, dass Kinder niemals lernen werden,
wie wertvoll gesundes Essen ist, wenn man ihnen in Schule oder Kita
jeden Tag das Gegenteil demonstriert.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Claus Wolff
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Datum: 03.10.2012 - 19:25 Uhr
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