LVZ: EP-Präsident Martin Schulz: Frau Merkel soll in Griechenland nicht als reicher Onkel auftreten / Mehr Spielraum für Athen zur Durchführung der Reformen
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Griechenlands in der Euro-Zone verteidigen, wenn es "nicht in der
Bedeutungslosigkeit verschwinden" wolle. Der Präsident des
Europäischen Parlaments, der deutsche Sozialdemokrat Martin Schulz,
riet deshalb der deutschen Bundeskanzlerin, bei ihrem am Dienstag
anberaumten Besuch in Griechenland "die Botschaft zu überbringen,
dass wir Deutsche sehr solidarisch sind". In einem Interview mit der
"Leipziger Volkszeitung" (Montag-Ausgabe) forderte Schulz Frau Merkel
zugleich auf, in Athen auch zu vermitteln, "dass wir in gegenseitigem
Interesse helfen und nicht als reicher Onkel, der alles besser weiß".
Würde jetzt Europa preisgegeben werden, "wäre dies ein Fehler von
historischer Dimension", warnte der Parlamentspräsident. Europa werde
seinen Wohlstand nur erhalten können, wenn alle zusammenblieben, weil
kein europäischer Staat im Wettbewerb mit den USA, China, Indien und
anderen alleine bestehen könne. Wer etwas anderes behaupte, erzähle
schlichten Unsinn. Zugleich rief Schulz dazu auf, Griechenland mehr
Spielraum bei der Umsetzung der notwendigen Reformen einzuräumen. Die
Griechen führten Reformen durch, "die es in dieser Intensität in
Europa noch nicht gegeben hat". Mit Blick auf die Schlussfolgerungen
aus dem noch ausstehenden Troika-Bericht sagte Schulz der Zeitung:
"Wenn die Troika zu dem Ergebnis kommt, dass Griechenland auf dem
richtigen Weg ist, dann sollten wir alles versuchen, um Griechenland
und damit den Euro zu stabilisieren. Wenn ein bisschen mehr Zeit
dabei hilft, sollte es daran nicht scheitern." Aber schon jetzt zeige
sich, "dass wir endlich vorankommen bei der Stabilisierung unserer
Währung". Die Staaten, die im Reformprozess seien, bekämen langsam
wieder Boden unter den Füssen. Wenn es den Zockern im internationalen
Spielkasino gelänge, die Eurozone auseinander zu brechen, "wird das
die Spekulationen gegen andere Euro-Länder befeuern", warnte Schulz.
Die deutsche Bundeskanzlerin sollte bei ihrem Griechenland-Besuch das
Signal geben, "dass wir als Kontinent zusammenstehen. Insofern ist es
gut, dass Frau Merkel nun endlich auch dorthin fährt", sagte Schulz.
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Datum: 07.10.2012 - 07:00 Uhr
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