Wir dürfen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen
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Wir dürfen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen
Ich fühle zutiefst mit den Angehörigen der Opfer, den Eltern, den Mitschülerinnen und Mitschülern, den Lehrerinnen und Lehrern. Ratschläge, wie man solche traumatischen Erlebnisse verarbeiten kann, gibt es nicht. Seit gestern ist die Debatte neu aufgebrochen, was man tun kann, um solche Gewalttaten künftig zu verhindern. Dazu gehört, zu verhindern, dass potenzielle Gewalttäter an Waffen kommen, Gewaltverherrlichung und solche Videospiele gehören geächtet. Aber Schulen dürfen nicht zu Festungen werden, die unter ständiger polizeilicher Bewachung stehen, wie das teilweise in den USA der Fall ist.
Unsere Gesellschaft reagiert zunehmend nur auf Extremsituationen. Wenn Aufmerksamkeit nur erfährt, wer auffällig wird, werden wir solche schlimmen Vorfälle immer wieder erleben und hilflos bleiben. Erfolgreiche Prävention muss viel früher beginnen. Es bedarf eines anderen, menschlicheren, sozialeren Miteinanders in der Gesellschaft. In Zeiten des Internet ist es kaum möglich, das Herankommen an Gewalt verherrlichende Videospiele zu verhindern. Aber wir können etwas tun, dass sie nicht genutzt werden, dass sie vor allem nicht das reale Handeln junger Menschen bestimmen. Das erfordert mehr Aufmerksamkeit auf die Entwicklung einer kritischen Medienkompetenz zu legen. Wer hohe Achtung vor dem Leben anderer hat, wird auch in tiefer persönlicher Verzweiflung nicht solche Schritte gehen. Wer sich nicht allein gelassen fühlt, wer Vertrauen haben kann, findet andere Wege seine Probleme zu lösen.
Lehrerinnen und Lehrer könnten viel mehr tun, wenn sie besser psychologisch gerüstet wären und vor allem mehr Zeit hätten. Sorgen und Nöte der Schülerinnen und Schüler könnten früher erkannt werden, wenn Schulsozialarbeit stärker in Schulen integriert würde und Schulpsychologen nicht nur sporadischen Kontakt zu Lehrenden und Lernenden suchen könnten. Eltern müssen gestärkt werden, aber das aufsuchende Gespräch mit den Eltern ist nicht die Regel im Schulalltag.
Dafür fehlt auch die Zeit. Natürlich sind Freunde gefragt, aber am wichtigsten ist ein gesellschaftliches Umfeld, in dem junge Menschen Gemeinschaft finden, eine Wertebildung, die die unbedingte Achtung vor dem Leben in den Mittelpunkt stellt, die geeignet ist, junge Menschen emotional und moralisch zu stärken und ein starkes, humanistischen Werten verpflichtetes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Gesellschaft und Politik dürfen nicht nach wenigen Tagen zur Tagesordnung übergehen.
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Datum: 12.03.2009 - 11:15 Uhr
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