Allg. Zeitung Mainz: Nicht zerstören / Kommentar zu Familienpflegezeit
ID: 789304
Weitere werden ihr folgen müssen, denn beispielsweise gehen
Demenzkranke in der Pflegeversicherung derzeit oft noch leer aus. Die
Menschen werden älter. Wer wollte darüber jammern? Die Pflege ist,
aller Voraussicht nach, die sozialpolitische Herausforderung der
kommenden Jahrzehnte schlechthin. Viel Geld ist nötig, aber auch
Gestaltungskraft. Es mangelt zunehmend an Personal, das bereit und in
der Lage ist, die ebenso verantwortungsvolle wie physisch und
psychisch schwere Aufgabe der Pflege im Heim zu bewältigen. Woran das
liegt, ist nicht eindeutig zu definieren. Vielleicht ist ein Grund
ein nachlassendes Solidaritätsbewusstsein in der Gesellschaft, eine
Zeitgeistströmung: Warum Altenpfleger werden, wenn auch ein
Ausbildungsplatz in der Bank oder in der Autowerkstatt lockt?
Solidarität - ist da nicht der Familienverband in noch weit stärkerem
Maße in der Pflicht? Pflege in der Familie:Wird das nicht schon fast
zum moralischen Appell, zur Forderung? Aber Pflege in der Familie ist
kein Allheilmittel. Oft sind Alte und Kranke, so hart das klingen
mag, in einem qualifizierten Heim besser aufgehoben, weil die
Angehörigen, bei allem Willen, nicht geeignet oder in der Lage sind.
Das Urteil, die Alten würden "abgeschoben", ist dann böse und völlig
fehl am Platz. Lösungen brauchen oft Erprobung, auch Zeit, bekannt
und akzeptiert zu werden. Die von Familienministerin Kristina
Schröder erdachte Familienpflegezeit-Regelung ist ein guter Versuch,
aller Ehren wert, er sollte nicht aus partei- und verbandstaktischer
Motivation zerredet und zerstört werden. Den einen geht er viel zu
weit, den anderen in keiner Weise weit genug. Das ist eigentlich kein
schlechtes Zeichen.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
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Datum: 28.12.2012 - 17:27 Uhr
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