Allgemeine Zeitung Mainz: Neue Dimension / Kommentar zum Fußball-Wettskandal
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Europol-Bericht zu Wettmanipulationen im Fußball muss man zwischen
den Zeilen lesen. Nicht alle 700 verdächtigen Partien, die hier
aufgelistet werden, sind neu, einiges ist seit langem bekannt.
Allerdings macht das die Sache keinesfalls harmloser, im Gegenteil:
Europol hat in mühevoller Fleißarbeit ein Gesamtbild der Korruption
zusammengestellt, dessen neue Dimension nur als erschütternd
bezeichnet werden kann. Klar ist jetzt: Wettbetrug beschränkt sich
nicht auf unterklassige Ligen in Ländern der europäischen
Fußball-Mittelschicht. Nein, dies ist ein weltumspannendes Geschwür.
Am Leben gehalten wird es von einer hocheffizient kooperierenden und
perfekt vernetzten Bande. Und da sich besagte 700 Verdachtsfälle auf
den Zeitraum von 2008 bis 2011 beschränken, dürfte die Dunkelziffer
mittlerweile noch deutlich höher sein. Dieses Zahlenwerk ist ein
Alarmsignal, mit dem Europol die Öffentlichkeit aufrütteln will. Vor
allem aber zwingt die Behörde den organisierten Fußball zu
verstärktem Handeln. Anders als bei den Themen Gewalt oder Rassismus
kann nämlich kein Funktionär ernsthaft behaupten, Wettbetrug sei vor
allem ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Diese Ausrede wäre zu
billig. Wettkriminalität hat ihre Wurzeln mitten im Fußball, sie ist
(leider) die logische Folge einer Kommerzialisierung, die in diesem
Sport seit rund 20 Jahren immer hemmungsloser um sich greift. Da ist
rund um den Rasen ein diffuses Milieu aus Wettpaten, Betrügern und
korrupten Funktionsträgern entstanden, dessen Krakenarme mittlerweile
auch in viele Spielerkabinen reichen. Was am Montag in Den Haag ans
Licht kam, sollte auch dem letzten Fußball-Romantiker die Augen
geöffnet haben.
Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
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Datum: 04.02.2013 - 18:54 Uhr
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