Mittelbayerische Zeitung: Beziehungsprobleme
Merkels CDU hadert mit ihrem Konservatismus. Das aber ist ein Problem für die Konservativen. Von Christian Kucznierz
ID: 827269
Sache. Es ist schön, sie zu haben, aber man muss hart an ihnen
arbeiten, denn ganz ohne sie kann keiner gut leben. Wie hart das mit
den Beziehungen sein kann, erlebt die schwarz-gelbe Bundesregierung
in diesen Tagen einmal wieder. Nicht nur, dass Union und FDP Probleme
mit dem jeweils anderen haben. Auch CDU und CSU haben ihre liebe Not
miteinander. Und die Konservativen insgesamt haben ein Problem mit
ihrem Konservatismus. Und daran könnte am Ende die Beziehung mit dem
Wähler scheitern. Es ist wie verhext. Aber eines nach dem anderen.
Der Auslöser für die jüngsten Sorgen ist eigentlich auch ein
Beziehungsproblem. Warum, so lautet die völlig berechtigte Frage,
sollen gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht dieselben Rechte
haben wie andere (sie sollten es; aber um echte Probleme geht es
leider nicht immer)? Warum, und das hat ausgerechnet
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gesagt, muss heute noch so
gedacht werden, wie früher, wenn der Wähler es anders will? Und
selbst ein ausgewiesener konservativer Knochen wie
Unionsfraktionschef Volker Kauder denkt über mehr Flexibilität nach.
Verkehrte Welt, denken sich die Konservativen da zu Recht und runzeln
die Stirn. Mit dem gestrigen Beschluss, nichts zu ändern, dürften sie
zwar gut leben können. Aber ihnen ist klar, dass das Nein zu mehr
Gleichstellung nur bis auf Wiedervorlage gilt. Spätestens, wenn
Karlsruhe das nächste Urteil spricht, wird wieder einmal alles
anders. Dabei ist es nur konsequent, wenn die Union sich Fragen über
ihren Markenkern stellt. Denn den hat die Merkel-CDU schon lange
nicht mehr. Die Chefin hat ihre Partei dorthin getrieben, wo sie die
Wähler vermutet: in die Mitte. Mit Erfolg - bislang ist keine
Regierungskonstellation ohne Beteiligung der Union denkbar - aber
auch ohne Rücksicht: Die Hardliner, die Eckigen und Kantigen in ihrer
Partei sind ihr von der Fahne gegangen. Noch kann Merkel das
verschmerzen. Schließlich gibt es die CSU, die sie im Bund oft als
quälend empfinden muss, die ihr aber hilft, den rechten Flügel
abzudecken. So ist es - aus wahltaktischen Überlegungen - auch kein
Schaden, dass Parteichef Horst Seehofer sein Nein zu weiteren
Schritten zur Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften
erklärt hat. Das Problem für Merkels CDU aber ist, dass sie gerne
alle möglichen offenen Flanken im Bundestagswahlkampf geschlossen
hätte. Und die völlige Gleichstellung der Homo-Ehe wäre eine solche
Flanke. Das Schließen möglicher Einfallstore für die Opposition ist
die Strategie des bürgerlichen Lagers. Auch die Liberalen machen
nichts anderes, wenn sie sich bereiterklären, Mindestlöhne
mitzutragen. Union und FDP versuchen, mit der Opposition Hase und
Igel zu spielen; bislang klappt das ganz gut. Merkel ist überall
schon da. Fast zumindest. Wie in jeder Beziehung besteht aber die
Gefahr, dass am Ende, wenn alle Kanten abgeschliffen sind, der Reiz
verloren geht. Wenn alle Konfliktthemen abgeräumt sind, so lautet die
Strategie Merkels eigentlich, wählen am Ende die konservativen
Stammwähler trotzdem konservativ, während die anderen nicht wählen
gehen. Aber: Was, wenn die Konservativen sich nicht mehr in den
konservativen Parteien wiedererkennen? In Bayern sind sie da in einer
glücklichen Situation: konservativer als die CSU geht kaum. Im Rest
der Republik suchen sie nach Identifikationsfiguren und finden: die
Mitte. Und mittendrin in der Mitte Merkel. Ihr Bonus ist ihr
bisheriger Erfolg. Aber reicht das allein am Wahltag? Am Ende besteht
die Gefahr, dass ein Sturschädel wie Peer Steinbrück, unbelehrbar wie
er ist, trotz aller Patzer und Pannen den entscheidenden Tick mehr
Ausstrahlung hat auf diejenigen, die die Mitte okay finden - aber
auch furchtbar langweilig.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 04.03.2013 - 19:22 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 827269
Anzahl Zeichen: 4325
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 134 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Beziehungsprobleme
Merkels CDU hadert mit ihrem Konservatismus. Das aber ist ein Problem für die Konservativen. Von Christian Kucznierz"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
WAZ: Die CDU braucht neue Ideen. Kommentar von Wilfried Goebels ...
Auf der Suche nach neuen Wählerschichten fordert die CDU Mitgliedern wie Stammwählern einiges ab. Nicht wenige in der Partei sehen den Markenkern in Gefahr, weil die Merkel-Union beinahe im Tagesrhythmus politische Positionen räumt. Mit der Nominierung der ersten muslimischen Kandidatin für di
"DER STANDARD"-Kommentar: "Stronachs Glanz und Glorie" von Michael Völker ...
Politische Konkurrenten und interessierte Beobachter der Wahlen waren mit einem Urteil schnell zur Hand: Sie sprachen den Stronach-Wählern die Intelligenz ab. Diese Einschätzung ist für sich genommen allerdings auch nicht sonderlich intelligent, da sie sowohl die Wähler als auch den Gewählten u
Westfalen-Blatt: Schlachtverbot für Schweine und Rinder ...
Vorsichtsmaßnahme im Schimmelmais-Skandal: Die Kreisverwaltung Minden-Lübbecke (Nordrhein-Westfalen) hat gegen elf Schweine- und zwei Rindermastbetriebe ein vorläufiges Schlachtverbot verhängt. Das berichtet das Bielefelder "Westfalen-Blatt" (Dienstagsausgabe) unter Berufung auf Kr
neues deutschland: Linke plant Gedenktafel für Opfer des Stalinismus ...
Der Geschäftsführende Vorstand der Linken hat sich am Montag für eine Gedenktafel ausgesprochen, mit der die Partei an ihrer Bundesgeschäftsstelle in Berlin an die Opfer des Stalinismus erinnern will. Das berichtet die in Berlin erscheinende Tageszeitung "neues deutschland" in ihre




