FZ: Die Notlösung
Kommentar der Fuldaer Zeitung zur Berufung von Hartmut Mehdorn als neuen Chef des Berliner Flughafens
ID: 830941
In der Berufung von Hartmut Mehdorn zum neuen Berliner
Flughafenchef spiegelt sich das ganze Dilemma der für die
Pannenbaustelle Verantwortlichen wider. Mehdorn kommt, weil kein
anderer da ist. Welcher Manager will seinen guten Namen aufs Spiel
setzen für einen Karren, der so tief im Dreck steckt, dass er kaum
noch herauszuziehen ist? Wer will freiwillig zum Spielball
politischer Interessen werden und sich im Kompetenzgerangel zwischen
Bund und Ländern verheizen lassen? Und schließlich: Wer will schon
Chef eines Unternehmens werden, in dem durch Indiskretionen (wie im
Fall Bender) Vertragsdetails wie die Vergütung in die Öffentlichkeit
gezerrt werden? Mehrdorn ist wahrscheinlich der Einzige, den das
alles nicht juckt. Er gilt als leidenschaftlicher Sanierer, hat als
Rentner viel Zeit und offenbar den Antrieb, mit 70 nochmal etwas zu
reißen und (zum ersten Mal seit vielen Jahren) einen Job erfolgreich
abzuschließen.
Mehdorns Leistungsbilanz in den vergangenen 15 Jahren taugt nicht
gerade als Referenz: Zwar hat er als Bahnchef das ehemalige
Staatsunternehmen zum Global Player geformt, Millionen genervte
Kunden verbinden mit ihm allerdings eher Verspätungen,
Preiserhöhungen und Serviceverschlechterungen. Als er im Zuge der
Spitzelaffäre gehen musste, hinterließ er seinem Nachfolger einen
Berg voll Probleme. Anschließend konnte er auch Air Berlin nicht vor
einem weiteren Absturz bewahren. Was für ein Zufall, dass er bei der
Fluggesellschaft ausgerechnet an dem Tag im Januar entlassen wurde,
an dem auch bekanntgegeben wurde, dass sich die Eröffnung des
Berliner Flughafens zum vierten Mal verschiebt. Seine Berufung
erinnert an einen Vorgang in der Politik, der dem
Gerhard-Schröder-Freund Mehdorn sicher in Erinnerung geblieben ist:
Als Hans Eichel 1999 als hessischer Ministerpräsident abgewählt
worden war, schlug bereits nach wenigen Tagen auf dem politischen
Abstellgleis seine große Stunde als Bundesfinanzminister, weil Oskar
Lafontaine gerade zurücktrat und eine schnelle Lösung gefunden werden
musste. Immerhin ist Eichel dann als derjenige in die Geschichte
eingegangen, der im Jahr 2000 die letzte nennenswerte Steuerreform in
Angriff nahm und sogar zeitweise Schröders beliebtester Minister war.
Auch wenn die Vorzeichen nicht besonders günstig sind: Vielleicht
gelingt Mehdorn ja das Unmögliche, das traurige Kapitel BER zu einem
erfolgreichen Abschluss zu führen. Scheitert auch der ehemalige
Bahnchef, dann droht der Hauptstadt ein Milliardengrab. Mit dem
ehemaligen Flughafenchef Bender an der Spitze wäre das Risiko sicher
kleiner gewesen. Doch der war ja bekanntlich ein paar Milliönchen zu
teuer. / Bernd Loskant
Pressekontakt:
Fuldaer Zeitung
Bernd Loskant
Telefon: 0661 280-445
Bernd.Loskant@fuldaerzeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 08.03.2013 - 19:50 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 830941
Anzahl Zeichen: 3148
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Fulda
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 311 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"FZ: Die Notlösung
Kommentar der Fuldaer Zeitung zur Berufung von Hartmut Mehdorn als neuen Chef des Berliner Flughafens"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Fuldaer Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Christoph Ahlhaus ist seit 2023 Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft: "Mit großem Anspruch hat die Bundesregierung Entlastungsmaßnahmen angekündigt - doch in der Praxis bleiben sie weit hinter dem zurück, was mittelständische Unternehmen jetzt dringe
Dreist und wenig wirksam / Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (Samstag, 18. April, zu den angekündigten Reformen der Bundesregierung ...
Quantitativ hat die Bundesregierung in dieser Woche wahrscheinlich mehr geliefert als in den Monaten zuvor: Entlastungsbeschlüsse wegen der hohen Energiepreise, Lockerungen beim Verbrenner-Aus, Einigung auf eine Einkommensteuerreform, ja sogar ein Gesundheitsreförmchen ist nun geplant. Nach den qu
Dreist und wenig wirksam / Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (Samstag, 18. April, zu den angekündigten Reformen der Bundesregierung ...
Quantitativ hat die Bundesregierung in dieser Woche wahrscheinlich mehr geliefert als in den Monaten zuvor: Entlastungsbeschlüsse wegen der hohen Energiepreise, Lockerungen beim Verbrenner-Aus, Einigung auf eine Einkommensteuerreform, ja sogar ein Gesundheitsreförmchen ist nun geplant. Nach den qu
Weitere Mitteilungen von Fuldaer Zeitung
Rheinische Post: Brandstifter Nordkorea ...
Kommentar von Helmut Michelis Hunde, die bellen, beißen nicht - hoffentlich trifft dieses alte Sprichwort auch auf Nordkorea zu. Zwar ist die Welt an das Säbelrasseln der schwer begreifbaren Diktatur auf der koreanischen Halbinsel mittlerweile seit Jahrzehnten gewöhnt. Doch diesmal droht
Oberhessische Presse: Mehdorn / Ein guter Tag für Satiriker - Kommentar von Stefan Dietrich ...
Wie kann man ein Projekt retten, das derart gegen die Wand gefahren ist wie der neue Hauptstadtflughafen? Ein neuer Manager reicht jedenfalls nicht aus, um aus der Berliner Chaos-Baustelle einen funktionierenden Airport zu machen. Eigentlich braucht man eher einen Superhelden: Einen, der bewiese
WAZ: Kein Zauderer im Vatikan - Kommentar von Walter Bau ...
Die Kardinäle in Rom haben sich mehr Zeit gelassen als erwartet mit ihren Vorgesprächen zum Konklave. Es gab und gibt offenbar reichlich Gesprächsbedarf unter den versammelten Purpurträgern. An Themen fehlt es ihnen in der Tat nicht: Der Umgang mit den Missbrauchsfällen in kirchlichen Einri
Mitteldeutsche Zeitung: zu Regionalverkehr in Mitteldeutschland ...
Ab Ende 2015 wird auf einem Teil des mitteldeutschen S-Bahn-Netzes der Konkurrent Abellio fahren. Die Tochter der niederländischen Staatsbahn hat in einer Ausschreibung offenbar den niedrigeren Preis und den besseren Service geboten. Den Kunden in Halle oder Bitterfeld soll es recht sein. Sie




