NABU und NLWKN: Wiesenvögel auf dem absteigenden Ast
ID: 838110
bundesweit vom Aussterben bedroht. Wie alle Wiesenvogelarten
verzeichnet sie seit Jahren alarmierende Bestandsverluste, da ihr
Lebensraum, das Grünland und die Moore, dramatisch zurückgeht.
Über die Gefährdung von Wiesenvögeln und mögliche Schutzmaßnahmen
berieten am Wochenende mehr als einhundert Experten aus
Naturschutzverbänden sowie des behördlichen und wissenschaftlichen
Naturschutzes in Niedersachsen. "Nur wenn Naturschutz und
Landwirtschaftspolitik in Deutschland besser Hand in Hand gehen,
können wir die Bekassine und andere Wiesenvögel retten. Hierzu müssen
wir Landes- und EU-Mittel noch gezielter einsetzen", forderte
NABU-Vizepräsident Helmut Opitz beim Artenschutzsymposium des NABU
und der Staatlichen Vogelschutzwarte im Niedersächsischen
Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).
Einen der Hauptgründe für die Bestandsrückgänge der Wiesenvögel
sehen die Naturschützer in der jahrzehntelangen Entwässerung von
Mooren für den Torfabbau und ihre Umwandlung in landwirtschaftliche
Flächen. Auch der explosionsartig angestiegene Maisanbau für die
Biomasse-Produktion habe zu einem massiven Rückgang der Wiesenbrüter
geführt. Feuchtgrünland wurde auf ehemaligen Moorstandorten
großflächig in Acker umgewandelt und damit als Lebensraum zerstört.
Auf den verbliebenen Grünlandflächen ist die Bewirtschaftung deutlich
intensiver als früher, vor allem die starke Entwässerung und Düngung
führen dazu, dass sich die Flächen für Wiesenvögel nicht mehr zum
Brüten und Rasten eignen. Auch für den Klimaschutz ist die massive
Bewirtschaftung von Moorböden schädlich, da hierdurch große Mengen
CO2 freigesetzt werden.
Für die Bekassine hat vor allem das Land Niedersachsen große
Bedeutung. Im Land der Moore und Feuchtwiesen brüten insgesamt 28
Prozent des deutschen Bestandes. Die Staatliche Vogelschutzwarte in
Niedersachsen ermittelte den landesweiten Bestand zuletzt auf 1.900
Reviere. Dennoch verliert die Bekassine hier im deutschlandweiten
Vergleich besonders viel Lebensraum: 16.700 Quadratkilometer, die die
Bekassine 1980 noch besiedelte, sind heute verwaist. "Der Bestand der
Bekassine in Niedersachsen ist seit 1976 um mehr als 70 Prozent
zurückgegangen. Diesen Abwärtstrend müssen wir stoppen, denn wir
haben eine besondere Verantwortung für diese Art", sagte Dr. Markus
Nipkow, Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte.
Während des Symposiums wurden daher auch Maßnahmen diskutiert, die
die neue Landesregierung ergreifen könnte, um die Bekassine
wirkungsvoller zu schützen. So könnten Agrarumweltmaßnahmen künftig
noch gezielter für Maßnahmen in Schwerpunktgebieten des
Wiesenvogelschutzes eingesetzt werden. Auch fehle es an zusätzlichen
Mitteln und an Möglichkeiten, diese flexibel und erfolgsabhängig
einzusetzen. Hiervon würden Landwirtschaft und Naturschutz
gleichermaßen profitieren, so die Experten.
Dass erfolgreiche Schutzmaßnahmen möglich sind, zeigen
Naturschutzprojekte am Dümmer und in der Diepholzer Moorniederung.
Hier haben Naturschützer durch eine enge Zusammenarbeit mit
Landwirten Flächen im Grünland und im Moor renaturiert und so
wertvolle Brut- und Rastflächen für Wiesenvögel geschaffen.
"Erfolgreiche Schutzprojekte wie in Niedersachsen zeigen es: Wenn
Naturschutz und Landwirtschaft abgestimmt handeln, gibt es eine
Chance, dass die Bekassine und andere Wiesenvogelarten bei uns
überleben", so NABU-Vizepräsident Helmut Opitz.
Pressefotos zum Vogel des Jahres 2013, der Bekassine, unter:
www.NABU.de/presse/fotos/#vogeldesjahres
Mehr zum Vogel des Jahres unter www.vogel-des-jahres.de
Originaltext vom NABU
NABU-Pressestelle, Telefon: 0 30.28 49 84-1510, -1722, -1952
Telefax: 0 30.28 49 84-2500, E-Mail: Presse@NABU.de
Pressekontakt:
Lars Lachmann, NABU-Vogelschutzexperte, Tel. 030-284984-1620, mobil
0172-9108275
Dr. Markus Nipkow, Staatliche Vogelschutzwarte im Niedersächsischen
Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN),
Tel. 0511-3034-3214
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Datum: 20.03.2013 - 10:02 Uhr
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