Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Steinbrücks Schattenkabinett
ID: 869799
nicht in die Gänge und dann wieder geht's so schnell, dass man über
die eigenen Füße zu stolpern droht. Mit dem Gefühl für die richtige
Geschwindigkeit hat auch die SPD so ihre Probleme. Die Folge: jede
Menge waghalsiger Manöver. Das Unfallprotokoll der vergangenen
Woche: Am Mittwoch gibt der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel
urplötzlich kräftig Gas beim Thema Tempolimit. Ebenso unvermittelt
und entsprechend unsanft wird er von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück
und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier ausgebremst. Nur einen Tag
später wendet der Parteichef selbst - und zwar ziemlich kleinlaut.
Freitag dann besucht Steinbrück Polen, nicht aber, ohne zuvor die
Namen der ersten Mitglieder seines Kompetenzteams an die
Hauptstadtmedien durchsickern zu lassen. So wird in Berlin schon
fleißig diskutiert, während der SPD-Kanzlerkandidat noch in Warschau
defiliert. Gabriel treibt Steinbrück an, könnte man meinen. Oder
eben: Gabriel treibt Steinbrück vor sich her. Jedenfalls ist so
längst bekannt, was eigentlich bis heute ein Geheimnis bleiben
sollte. Am Resultat ändert das wenig: Den großen Wurf liefern diese
ersten drei Namen des Schattenkabinetts, das Steinbrück nur höchst
ungern so tituliert sieht, nicht. Das Aha-Erlebnis bleibt aus.
Stattdessen: ein linker, sehr gewerkschaftsnaher Sozialdemokrat
(Klaus Wiesehügel), ein Sozialdemokrat des rechten Flügels mit
Erfahrung als Parlamentarischer Geschäftsführer (Thomas Oppermann)
und Gesche Joost - eine junge, kreative Frau ohne Parteikarriere, auf
der vor allem die Hoffnung ruht, frischen Wind in die SPD zu bringen.
Fazit: für jeden etwas und von nichts zu viel. Proporz schlägt
Profil. Angela Merkel hätte es kaum besser machen können. Wer aus
diesem Trio hingegen etwas über die Strategie Steinbrücks herauslesen
will, dürfte scheitern. Allenfalls kann man sich fragen, wie
Oppermann, einer der Agenda-Architekten, und der scharfe
Agenda-Gegner Wiesehügel gemeinsam eine konsequente Politik
verkörpern sollen. Aber vielleicht sitzt demnächst immer
Design-Professorin Joost zwischen den beiden, womit ja immerhin das
Allerschlimmste verhindert sein könnte. Steinbrück hat erklärt, die
sieben weiteren Mitglieder seines Kompetenzteams nach und nach
vorzustellen. Derweil wird freilich schon wild über Namen spekuliert,
und man geht kaum fehl mit der Annahme, dass genau das der tiefere
Sinn der Übung ist. Ob diese Dramaturgie auch geeignet ist, um den
gewünschten Schub in den Wahlkampf zu bekommen, muss sich erst noch
zeigen. Vielleicht ist nämlich gar nicht entscheidend, wer in
Steinbrücks Team ist. Vielleicht ist entscheidend, dass Andrea Nahles
und Sigmar Gabriel es bestimmt nicht sind. So könnte es durchaus
sein, dass Partei und Kandidat weiter getrennt unterwegs sind. Und
das wäre dann wohl nicht nur eine Frage des Tempos, sondern durchaus
auch der Richtung.
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 12.05.2013 - 21:05 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 869799
Anzahl Zeichen: 3342
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 311 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Steinbrücks Schattenkabinett"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westfalen-Blatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un
34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder
NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in
Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Piratenpartei ...
Fast zwei von drei Parteitagsteilnehmern sind für die so genannte Ständige Mitgliederversammlung. Bekommen werden die Piraten ihre Onlineparteitage bis auf Weiteres trotzdem nicht. Behalten werden sie den Streit darum. Schade! Aus Sicht der Partei wäre es etwas Unverwechselbares gewesen, was
Westfalenpost: Sekt oder Selters Von Klaus Theine ...
Es gibt Städte in unserem schönen Lande, die keine Balkone an ihren Rathäusern besitzen, weshalb sie in Not geraten, wenn ihnen unversehens eine Fußball-Meisterschaft ins Haus fällt. Das ist in München anders. Dort ist, so wirkt es, der Balkon am Marienplatz einst vorausschauend für die vi
Westfalenpost: Eine Frage der Gerechtigkeit Von Torsten Berninghaus ...
Seit die Landesregierung vielen Beamten eine Nullrunde verordnet hat, schlägt Hannelore Kraft eine Protestwelle entgegen. Die erste Frau im Lande und ihre Minister werden öffentlich ausgebuht. Und jetzt wehrt sich mit Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau ein Spitzengenosse gegen die Plä
Heute ist der Politiker Staatssekretär Max Stadler plötzlich verstorben. Hierzu erklärt die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Andrea Voßhoff: ...
Mit Bestürzung und tiefer Betroffenheit haben wir heute vom plötzlichen Tod unseres Kollegen Staatssekretär Max Stadler erfahren. Der Bundestag verliert mit ihm einen außerordentlich geschätzten Kollegen. Die Rechtspolitik verliert mit Max Stadler einen fachlich kompetenten und über die Par




