Weser-Kurier: Zur Abschiebungsdebatte schreibt der "Weser-Kurier" (Bremen) in seiner Ausga

Weser-Kurier: Zur Abschiebungsdebatte schreibt der "Weser-Kurier" (Bremen) in seiner Ausgabe vom 27. Mai 2013:

ID: 878334
(ots) - Rund 7650 Menschen sind 2012 aus Deutschland
abgeschoben worden. Das klingt nicht sonderlich dramatisch. Im Land
Bremen sind es sogar nur 18 Abgeschobene. Also ist die
Abschiebungsproblematik angesichts solch niedriger Werte überwunden?
Wohl kaum. Diesen 18 Abgeschobenen stehen nämlich knapp 1500 Menschen
gegenüber, die im Land Bremen geduldet werden. Ein weitaus höherer
Wert, der viel mehr aussagt über die tatsächliche Situation vieler
Menschen: Wer nur geduldet ist, muss permanent mit seiner Abschiebung
rechnen. Was für eine psychische Belastung! Dazu kommen Arbeits- und
Reisebeschränkungen. Und manch Geduldeter lebt schon lange in diesem
Land, hat Freunde und Familie hier und bezeichnet Deutschland als
seine Heimat. Wie kann man ihn da zwingen, das Land zu verlassen?
Nein, gelöst ist das Problem noch lange nicht. Die Zahlen sollten uns
zum Nachdenken bringen: darüber, wie gut es uns - die nicht in der
Ferne eine neue Perspektive suchen müssen - eigentlich geht. Wie
kompliziert und langwierig Asylverfahren sind, wie viel sie von
denen, die teilweise viel auf sich genommen haben, noch abverlangen.
Hinter all den trockenen Zahlen - ob nun 18 oder 1500 - stehen
letztlich menschliche Schicksale und Existenzen. Sicher: Unter den
Abgeschobenen haben sich nicht nur politisch Verfolgte befunden, die
das Asylrecht nicht durchsetzen konnten. Es waren auch nicht nur arme
Menschen, die hier Zuflucht suchten, es waren auch Straftäter, die
nie Asyl beantragt hatten. Und es waren jene, deren Visum abgelaufen
war, die aber hier bleiben wollten. Natürlich braucht es da Regeln
und Bestimmungen, um die Kontrolle zu behalten - wilde Einwanderung
würde zu unabsehbaren globalen Konsequenzen führen. Und doch ist es
erforderlich, in der Einwanderungsdebatte das Thema "Armutsmigration"
nicht völlig auszublenden. Die Politik muss den Umgang mit den Roma


regeln, zumal sie in den Abschiebungszahlen 2012 eine sehr präsente
Gruppe sind. Denn Armutsmigration kommt eben durch Armut, durch akute
Not, zustande; ein Fakt, der bei der Bewertung des Problems eine
Rolle spielen muss. CSU-Innenminister Hans-Peter Friedrich mag Recht
haben, wenn er bezüglich der Roma-Einwanderung vor finanziellen
Belastungen für die Kommunen warnt. Nur: Die dringend nötige
menschliche Dimension in der Einwanderungsdebatte lässt er leider
völlig außer Acht.



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Datum: 26.05.2013 - 20:33 Uhr
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