Neue OZ: Kommentar zu Kirchen / Vatikan / Finanzen
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Gut hundert Tage ist Papst Franziskus im Amt. Langweilig dürfte
ihm nicht gewesen sein. Von einem homosexuellen Priesterkreis im
Zentrum der Kirche war die Rede, auch Kindesmissbrauch wird Männern
hinter den Mauern des Vatikans vorgeworfen. Nun erreicht parallel die
Affäre um die Vatikanbank eine neue Stufe, indem ein hoher
geistlicher Vertreter des Instituts der Geldwäsche und Korruption
beschuldigt wird.
Der Fall dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein - hat der neue
Chef des Geldhauses doch angekündigt, jedes einzelne Konto zu prüfen.
Die italienische Zentralbank hatte mehrfach vatikanische Transfers
verweigert, weil es an Transparenz mangelte. Allein am festgenommenen
Prälaten und seinem Umfeld wird dies nach Lage der Dinge nicht
gelegen haben. Zugleich hat Franziskus erst in dieser Woche ein neues
Aufsichtsgremium installiert und seinen Bankern klargemacht, dass sie
auch wie andere Institutionen innerhalb der Kirche nur ein winziges
Rädchen im Gesamtwerk seien - und durchaus entbehrlich, da die Liebe
zum Menschen der wichtigere Pfeiler des Glaubens sei als sie.
Der Papst scheint daher Ernst zu machen. Seine Botschaft der
Erneuerung richtet sich konsequent nach innen. Weit weniger als seine
Vorgänger ermahnt er die Welt da draußen. Nur so kann die Kirche
jenen Respekt wiedererlangen, den sie gegenwärtig bitter vermisst.
Burkhard Ewert
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Datum: 28.06.2013 - 22:00 Uhr
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