Neue OZ: Kommentar zu Arbeit / Soziales / Fleischindustrie
ID: 900392
Das Scheitern der Gespräche im Wirtschaftsministerium macht eins
deutlich: die Ohnmacht der Politik. Dass angesichts der Weigerung der
Fleischindustrie zu Selbstverpflichtungen mit schärferen Kontrollen
gedroht wird, wirkt wie eine Trotzreaktion. Was soll denn
kontrolliert werden, wenn nicht einmal bekannt ist, wie viele
ausländische Arbeiter in Niedersachsen leben?
Was über all die Jahre vor allem im Raum Weser-Ems herangewachsen
ist, ist ein krankes System, in dem viele von der Ausbeutung weniger
profitieren. Fleischbarone, Kunden, Gemeinden, Vermieter: Sie alle
ziehen auf ihre Art die Vorteile aus den teils fragwürdigen
Machenschaften der Subunternehmer. Verlierer sind neben heimischen
die ausländischen Schlachter, die sich nicht wehren können.
Jetzt, wo dieses System Ausmaße angenommen hat, die nicht mehr zu
übersehen sind, gerät die Politik in Panik. Der Ruf Niedersachsens
sei in Gefahr, heißt es. Welcher Ruf? Der eines Billiglohnlandes, in
das die ausländischen Schlachter mit dem Versprechen auf Kindergeld
gelockt werden? Armes Niedersachsen.
Nur gut, dass es trotz der geplatzten Verhandlungen einen
Hoffnungsschimmer gibt: Sögel im Emsland. Im Kleinen hat man sich
hier auf einen Verhaltenskodex geeinigt, der schwarze Schafe
ausschließt. Das sollte nicht nur Vorbild sein, es zeugt auch von
einer Verantwortung, zu der sich in Niedersachsen so lange niemand
bekennen wollte.
Dirk Fisser
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Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion
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Datum: 28.06.2013 - 22:00 Uhr
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