Allg. Zeitung Mainz: Bemüht / Kommentar zur Studie über den Zusammenhalt
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Hochwasserkatastrophen, das also, was Ministerpräsidenten landauf,
landab als überragenden und anrührenden Solidaritätsbeweis würdigen,
ist nur ein "Ausreißer" in der jüngsten Studie über den Gemeinsinn.
Da tut nun allerdings der Hinweis not, dass es schon drei "Ausreißer"
waren im untersuchten Zeitraum: 1997, 2002, und eben jetzt. Negativ
angekreidet wird den Deutschen auch "eine Distanz zur eigenen
Nation". Das hat, verehrte Studien-Verfasser, womöglich etwas mit den
Jahren 1933 bis 45 zu tun. Nach denen sind die Deutschen
intelligenterweise nicht zwangsläufig geneigt, das Deutschtum als
solches stets extrovertiert durch jubelnde Raserei zu begehen. Dass
wir auch angemessenen Nationalstolz können, hat die Fußball-WM 2006
bewiesen. Und schließlich: Es mangele hierzulande an Toleranz
gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Gemach.
Umdenkprozesse brauchen ihre Zeit. In Mainz, Wiesbaden, Berlin und im
Bundesaußenministerium haben homosexuelle Politiker jedenfalls das
ausdrückliche Vertrauen der Bürger gefunden. Kurzum: Die Studie der
Bertelsmann-Stiftung hat sich bemüht, gibt Anstöße, darin liegt ihr
Verdienst. Einzelne Schlussfolgerungen sind jedoch fragwürdig oder,
wie das "Ausreißer"-Urteil, dümmlich. Auch das mag die Debatte
befruchten, ist aber leider auch geeignet, schräge Klischees zu
päppeln. Deutschland muss nicht in Sack und Asche gehen, hat aber
auch keinen Grund zur Selbstgefälligkeit. Es ist durchaus das "Volk
der guten Nachbarn", wie es Willy Brandt einst formulierte, nach
außen wie im Inneren.
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Datum: 16.07.2013 - 19:47 Uhr
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