Allg. Zeitung Mainz: Er wird fehlen / Kommentar zum Rücktritt Matthias Platzecks
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Platzeck hat die Reißleine gezogen - spät, aber hoffentlich nicht zu
spät. Der gelernte Ingenieur hatte seine Kräfte in seiner politischen
Laufbahn schon mehrfach überschätzt, nun ist Schluss. Wirklich? Ein
Spaziergang durch die politischen Archive dieser Republik offenbart
schnell, dass die, die es zum Regieren oder zumindest zum politischen
Agieren drängt, selten ehrlich zu sich selbst sind und deshalb immer
wieder zurück in die mitleidlose Arena wollen. Willy Brandts
Depressionen hießen Erkältungen. Helmut Schmidts Härte nach außen
überdeckte Herz- und Schildrüsenerkrankungen. Helmut Kohl kämpfte
trotz massiver Prostataprobleme, bis er den Putschisten Heiner
Geißler weggebissen hatte. Erst dann ging er ins Krankenhaus. Die
Liste ließe sich mit Lafontaine, Gysi oder Müntefering problemlos
fortsetzen. Nun also Matthias Platzeck. Der brandenburgische
Ministerpräsident hinterlässt zwar ein wohlbestelltes Haus. Seine
rot-rote Koalition regiert mit satter Mehrheit. Ein bei den Menschen
geschätzter Nachfolger steht bereit, dem man Kompetenz und
Nervenstärke attestiert. Die wird er brauchen, sofern er Platzeck
auch auf den Stuhl des Aufsichtsratsvorsitzenden des neuen Berliner
Flughafens folgt. Ein Job, den dieser von Berlins regierendem
Bürgermeister Wowereit geerbt hatte und der ihm höchstwahrscheinlich
gesundheitlich den Rest gegeben haben dürfte. Was aber bedeutet
Platzecks Abgang für die wahlkämpfende SPD? 2009 kam er in
Brandenburg auf 33 Prozent, während die SPD im parallel laufenden
Bundestagswahlkampf im Land massive Verluste hinnehmen musste. Heißt:
Matthias Platzeck wird ihr vor den Toren Berlins fehlen. Wie sehr,
wird sich am Abend des 22. September erweisen.
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Datum: 29.07.2013 - 20:15 Uhr
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