Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR
Noch eine Woche bis zur Bundestagswahl
Auf der Zielgeraden
THOMAS SEIM
ID: 944695
noch einmal spannend werden würde? Zwar sieht es nach den letzten
Umfragen nicht so aus, als könne ein rot-grünes Bündnis allein
mehrheitsfähig werden. Aber ebenso unsicher muss sich die
schwarz-gelbe Regierungskoalition derzeit fühlen, deren
Mehrheitsfähigkeit keineswegs sicher ist. Immer mehr deutet darauf
hin, dass sich am Abend des 22. September die Parteien darauf
einstellen müssen, dass es nur zwei Optionen für eine
Mehrheitsbildung gibt, wenn es für Schwarz-Gelb nicht reicht: Neben
der großen Koalition bleibt dann die Kombination aus Union und Grünen
realistisch. Schwarz-Grün wäre für beide Partner nicht
unproblematisch: In den Ländern gibt es kein funktionierendes
Vorbild. Eine Koalition müsste gegen den Bundesrat regieren. Außerdem
steht den Grünen eine schwierige interne Debatte bevor. Die
Umfrageverluste zuletzt deuten auf eine tief sitzende Uneinigkeit
zwischen dem ehemaligen Realo-Flügel, der heute am ehesten von den
baden-württembergischen Grünen um Ministerpräsident Kretschmann
repräsentiert wird, und dem eher linken Flügel um Jürgen Trittin, den
viele Grünen-Funktionäre hinter vorgehaltener Hand bereits wegen der
Steuerprogrammatik für schlechte Umfragewerte verantwortlich machen.
Das ist keine stabile Basis für ein Regierungsbündnis. Angela Merkel
weiß das. In den Hinterzimmern des Bundeskanzleramtes wird deswegen
schon lange nachgedacht über die Strategie für den Wahlabend, falls
es für Schwarz-Gelb nicht reicht. Merkel setzt dann klar auf eine
Koalition mit der SPD. Sie ahnt, dass die Sozialdemokratie zwar
versuchen wird, sie aus dem Amt zu drängen. Sie glaubt aber auch,
dass der SPD am Ende dazu die nötige Kraft fehlen wird. Auch deshalb,
weil es ungeachtet ihrer Vorliebe für eine große Koalition das
Faustpfand einer grünen Alternative gäbe. In der SPD sind seit dieser
Woche jene Kräfte, die auf eine Oppositionsrolle setzen wollen,
schwächer geworden. Beigetragen haben dazu die Gerüchte um einen
angeblichen Versuch des Hamburger Bürgermeisters Scholz, mit einer
Rückbesinnung auf sozialliberale Traditionen SPD-Chef Sigmar Gabriel
nach der Wahl abzulösen. Zwar haben die starken SPD-Landesverbände
nach wie vor eine gewisse Sympathie dafür, sich nicht erneut als
kleinerer Partner auf ein Bündnis mit einer Kanzlerin Merkel
einzulassen, wie Steinbrück das überraschend eine Woche vor der Wahl
andeutet. Dagegen aber stehen Bundespartei und die
Bundestagsfraktion. Beide hoffen, dass nach einem denkbaren Rückzug
Merkels zur Mitte der Legislatur die Chancen für einen Aufstieg der
SPD zur stärksten Partei greifbar werden könnten. So ist die Lage
acht Tage vor der Bundestags- und am Tag vor der Bayernwahl. Am
Sonntagabend werden wir wissen, ob und wie letztere das politische
Spielfeld der Schlusswoche für den Bund verändert. Womöglich sind
alle diese Spielchen dann Makulatur und es reicht doch noch für
Schwarz-Gelb.
Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 13.09.2013 - 19:33 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 944695
Anzahl Zeichen: 3395
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 171 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR
Noch eine Woche bis zur Bundestagswahl
Auf der Zielgeraden
THOMAS SEIM"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Westfälische (Bielefeld) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Hunderte Tankstellen in Nordrhein-Westfalen verstoßen gegen die gesetzliche Spritpreisregel - doch geahndet wird bislang kein einziger Fall. Seit Anfang April wurden in NRW insgesamt 2.634 unzulässige Preiserhöhungen durch 447 Tankstellen registriert, wie aus einer Analyse von Daten des Bundeskar
Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance ...
Bielefeld. Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der "Neuen Westfälischen" (Bielefeld), ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke: "In den Gewerkschaften nich
Verdi-Chef sieht Angriff auf alle Bereiche des Sozialstaats ...
Bielefeld. Der Chef der Vereinigten Dienstleistungsgesellschaft Verdi, Franke Werneke, warnt davor, Reformen auf dem Rücken der Beschäftigten durchzusetzen. "Es gibt gerade einen Angriff auf praktisch alle Bereiche des Sozialstaats - auf Arbeitnehmerrechte, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung
Weitere Mitteilungen von Neue Westfälische (Bielefeld)
Westdeutsche Zeitung: Die Wahl in Bayern elektrisiert die Politik in Berlin - Wie das Kaninchen vor der Schlange Ein Kommentar von Lothar Leuschen ...
Bayern wählt, aber ganz Deutschland blickt auf Säulen und Diagramme. Diesen Eindruck erwecken die letzten Stunden vor der Entscheidung im Freistaat. Dabei wird in Bayern bayrisch gewählt. Das hat Tradition und deckt sich im Übrigen mit dem Wählerverhalten in NRW, Niedersachsen, Thüringen e
Zukunftssicherung durch zertifizierte ausländische Fachkräfte ...
Nachdem der spanische Ingenieursverband COGITI gemeinsam mit der BERA einen Stützpunkt in Schwäbisch Hall zur besseren und ganzheitlichen Betreuung von spanischen Fachkräften und Ingenieuren eröffnet hat, stellen die Partner am 17. September um 16:30 Uhr bei der Vortragsveranstaltung „Nachhalt
Südwest Presse: Kommentar zur Todesstrafe ...
Die Todesstrafe, die gegen vier Vergewaltiger und Mörder einer 23-jährigen Inderin verhängt wurde, ist gerecht - das sagen angesichts der unbegreiflichen Brutalität der Tat selbst manche, die eigentlich gegen sie sind. Doch klar ist: Kein Staat der Welt darf das Leben eines Menschen zur Stra
WAZ: Nicht allein auf den Beitrag achten - Kommentar von Daniel Freudenreich ...
Krankenkassen sollen nicht über die Maßen Geld horten. So will es der Gesetzgeber. Deshalb ist es richtig, dass die Techniker Krankenkasse angesichts ihrer Milliardenreserven eine Prämie ausschüttet. Manch andere Kasse dürfte diesem Beispiel 2014 folgen. Das mag Neukunden anlocken. Doch




