Mittelbayerische Zeitung: In Taka Tuka Land - Angela Merkel macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt - weil sie es kann. Von Christian Kucznierz
ID: 946587
unlängst im Bundestag das Pipi-Langstrumpf-Lied zum Besten gab, war
das als Spott auf die Bundesregierung gedacht: "Ich mache mir die
Welt / widde widde wie sie mir gefällt", lautete die Zeile, die sie
mehr schlecht als recht ins Mikrofon sang. Das Dumme ist nur: Das ist
gar kein Spott. Das ist die Methode, mit der die Union regiert. Und
das erfolgreich. Wer das nicht glauben möchte, braucht nur ein paar
Tage zurückzublicken: Horst Seehofer hat vor allem dadurch seiner CSU
zum Sieg verholfen, dass er reichlich wenig mit Prinzipien am Hut
hat. Richtig ist, was Erfolg verspricht. Und das ist, was die Bürger
gerne hätten. Wenn das einmal von dem, was in Parteiprogrammen oder
Koalitionsvereinbarungen steht, abweicht: Was soll's? Seehofer
vorzuwerfen, er sei Populist, weil er das macht, was opportun ist,
funktioniert nicht. Er findet es sogar gut, als Populist bezeichnet
zu werden. Der Erfolg hat ihm Recht gegeben. Und am Ende ist die Welt
in Bayern so geworden, wie sie ihm gefällt. Widde widde wie. Und die
CDU-Vorsitzende? Merkel mag weniger sprunghaft sein als der CSU-Chef.
Aber ihr Prinzipientreue zu unterstellen, wäre schlicht falsch. Der
konservative Markenkern der CDU ist mittlerweile darauf
zusammengeschrumpft, dass sie die völlige Gleichstellung
gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ablehnt. Immerhin. Merkel hat
die CDU von einst in eine Art Villa Kunterbunt verwandelt. Sie hat
ihr ihren Stempel aufgedrückt, ohne Rücksicht auf Verluste bei
Personal oder konservativer Klientel. Die Union ist irgendwie alles,
ohne wirklich etwas zu sein. Sie hat für die Bürgerlichen ähnlich
viel im Gepäck wie für manche gemäßigt linke Wähler. Wie bei der
rautenförmigen Handhaltung der CDU-Vorsitzenden trifft sich alles in
der Mitte und ruht dort. Die Welt, wie sie ihr gefällt, hat Merkel
sich vier Jahre lang vielleicht hart erkämpft, aber sie ist
angekommen. Wer spielt denn noch eine Rolle außer ihr? Kein
Außenminister, der international so eine Bedeutung hat wie sie, kein
Finanzminister, der nicht beim nächsten Gipfel im Schatten der
Kanzlerin auftritt. Merkel regiert derart präsidial, dass man sich
manchmal fragt, warum wir noch einen Bundespräsidenten haben. Wer
nach dieser Legislaturperiode zurückblickt, wird vor allem eine
sehen: die Kanzlerin. Das wird so bleiben. Die SPD wird kämpfen bis
zum Schluss, weil sie das muss. Aber ohne die Linke wird sie nicht an
die Macht kommen. Dass die Genossen sich diesen Wort- und Genickbruch
antun, glauben vor allem konservative Scharfmacher. Mindestens die
Hälfte der SPD-Wähler und -Mitglieder wird das nicht mitmachen.
Merkel dürfte im Kanzleramt bleiben, wahrscheinlich sogar mit der
FDP. So bitter die Erfahrung für die Liberalen auch ist: Die Klatsche
in Bayern am vergangenen Sonntag wird dazu führen, dass sie kommenden
Sonntag ein besseres Ergebnis erfährt, als gedacht. Die
Zweitstimmenkampagne mag bei CDU und CSU unbeliebt sein. Sie wird
zumindest bei einem Teil der Wähler verfangen. Mitleid ist nach so
einer Erfahrung wie im Freistaat ebenfalls ein nicht zu
unterschätzender Faktor in der Wahlkabine, zumal in einer Zeit, in
der immer mehr Wähler erst kurz vor dem Wahltag ihre Entscheidung
treffen. Die SPD spricht mit "mehr Gerechtigkeit" ein wichtiges Thema
an, aber es greift ganz offensichtlich nicht in einer Zeit, wo es den
meisten gefühlt gut geht - weil sie glauben, dass die Kanzlerin auf
sie aufpasst. Und hat nicht auch die Union ein paar soziale
Wärmekissen im Programm, die ziemlich ähnlich denen der Opposition
sind? Ja. Zumindest, wenn man nicht genau hinsieht. Und das tun viele
nicht. Hierin liegt die wahre Meisterleistung der Union. Sie hat es
geschafft, sich an den Rändern so auszufransen, dass ihre Kontur
unscharf geworden ist. Somit könnte sie eigentlich jeder wählen. Sie
ist so aufnahmefähig geworden, dass selbst mancher Schwamm neidisch
würde. Anders ausgedrückt: Sie hat sich die (Wähler-) Welt gemacht,
widde widde wie sie ihr gefällt.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 17.09.2013 - 21:54 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 946587
Anzahl Zeichen: 4580
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 290 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: In Taka Tuka Land - Angela Merkel macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt - weil sie es kann. Von Christian Kucznierz"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
Weser-Kurier: Zur Pädophiliedebatte schreibt der "Weser-Kurier" (Bremen) in seiner Ausgabe vom 18. September 2013: ...
Wenn hochrangige Politiker ohne grünes Parteibuch einen Fehler machen und ihn erst eingestehen, wenn die Öffentlichkeit bereits davon erfahren hat, dauert es meist nicht lange, bis jemand mit moralinsaurem Unterton den Rücktritt fordert: Jürgen Trittin. Die Liste derjenigen, die von ihm - teil
Weser-Kurier:Über die Arbeit der Verbraucherzentralen schreibt der "Weser-Kurier" (Bremen) in seiner Ausgabe vom 18. September 2013: ...
Die Zahlen der Verbraucherzentrale Niedersachsen sprechen Bände. Über 1,4 Millionen Mal suchten die Menschen 2012 über Telefon, Internet und bei Vorträgen den Rat der Experten - fast 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Themenpalette reicht von Telefonterror mit Werbeanrufen bis hin zu Sorgen
Weser-Kurier:Über die steigende Akademikerzahl schreibt der "Weser-Kurier" (Bremen) in seiner Ausgabe vom 18. September 2013: ...
Es ist noch gar nicht lange her, da waren sich alle einig: Deutschland, so der allgemeine Tenor, brauche mehr Akademiker. Vom Wissenschaftsstandort, von der Bildungsrepublik war und ist die Rede. Nur mit hoch qualifizierten Mitarbeitern sei die gute Stellung auf den Weltmärkten zu verteidigen, so
BERLINER MORGENPOST: BERLINER MORGENPOST: "Unfaire Diskriminierung" Thomas Fülling über Autoführer-Tauglichkeitstests für Senioren ...
Eine generelle Pflicht zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit ab einem bestimmten Alter wäre nicht nur eine bürokratische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Ärzte und Rechtsanwälte, sie wäre vor allem eine unfaire Diskriminierung einer ganzen Altersgruppe. Mehr Sicherheit, so zeigen die Erfa




