Weser-Kurier: Zum Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst schreibt der Bremer WESER-KURIER:
ID: 960261
Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gestern
nicht: "Franz-Peter Tebartz-van Elst muss zurücktreten." Aber wer
zwischen den Zeilen lesen kann, konnte verstehen, dass er genau das
meinte, als er von Vorschlägen sprach, die er nächste Woche Papst
Franziskus unterbreiten wolle. Um etwas anderes geht es nicht mehr.
Denn der katholische Bischof von Limburg ist für die Kirche untragbar
geworden. Der Imageschaden, den der fast autistisch wirkende
Geistliche seiner Kirche beschert, ist unermesslich: Gerade hatte
sich der deutsche Katholizismus vom Missbrauchsskandal erholt, gerade
gingen die Austrittszahlen wieder zurück, gerade gingen Bischöfe im
mühevoll gestarteten Dialog auf ihre Kritiker zu - und dann das. Ein
Diözesanes Zentrum, dessen Baukostenexplosion nur noch mit der
Hamburger Elbphilharmonie oder dem Berliner Großflughafen
vergleichbar scheint. Dazu ein Strafbefehl wegen Falschaussage unter
Eid. Das steht im krassen Widerspruch zum Neuen Testament. Dort heißt
es im ersten Brief des Paulus an Timotheus, ein Bischof solle
"untadelig" sein, "gütig, nicht geldgierig" und mit einem guten Ruf
versehen. Davon kann bei Franz-Peter Tebartz-van Elst schon lange
keine Rede mehr sein. Und wenn jetzt auch noch der Strafbefehl kommt:
Wer soll so einem Bischof eigentlich noch das Evangelium glauben? Wer
soll ihn noch ernst nehmen als Vertreter einer 2000 Jahre alten
Institution, die sich selbst an der Seite der Armen und Entrechteten
sieht, wie es Papst Franziskus gerade erst auf Lampedusa vorgemacht
hat? Luxusresidenzen passen dazu ebenso wenig wie Flüge in der First
Class. Franz-Peter Tebartz-van Elst hat es ganz offenkundig nicht
verstanden, was es heißt, ein guter Bischof zu sein. Für ihn gibt es
deswegen nur noch einen einzigen Ausweg aus dem Debakel: einen
zügigen Rücktritt. Und will er noch einen Rest von seiner Berufsehre
als Theologe retten, dann sollte er ankündigen, künftig an der Seite
der Armen in den Slums der Dritten Welt zu leben. Und nicht in der
Luxusresidenz von Limburg.
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Datum: 10.10.2013 - 20:38 Uhr
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