BERLINER MORGENPOST: Worte allein reichen nicht mehr - Leitartikel
ID: 976804
Flugzeuge stiegen, um West-Berlin über eine Luftbrücke zu versorgen,
dachten sie nicht über ihre Freundschaft zu Deutschland nach. Der
Zweite Weltkrieg lag gerade mal drei Jahre zurück. Ob es dieses Land
wirklich schon verdiente, dass sie ihr Leben dafür einsetzen, konnten
diese Soldaten so kurz nach Kriegsende nicht wissen. Es hielt sie
nicht davon ab.
Heute halten zwei Drittel der befragten Deutschen ebendieses
Amerika nicht für einen Partner, dem man vertrauen kann. Es wäre zu
leicht, diesen erschreckend niedrigen Wert nur mit dem Skandal um die
Abhörmethoden des amerikanischen Geheimdienstes NSA zu begründen. Die
Aufregung über das abgehörte Handy der Bundeskanzlerin ist
berechtigt. Aber das allein würde nicht reichen, um die USA nun ganz
grundsätzlich als Partner infrage zu stellen.
Dadurch kommt vielmehr ein bisher versteckt gehaltener
Antiamerikanismus zum Vorschein. Dieses diffuse Gefühl der Ablehnung
ist in der deutschen Bevölkerung offenbar viel mehr verbreitet, als
es bisher den Anschein hatte. Das ist eine gefährliche Entwicklung.
Denn Deutschland braucht Amerika als Partner. Beide Länder
unterstützen die Demokratisierungsprozesse in Afrika und im Nahen
Osten. Sie unterstützen einander, um den internationalen Terrorismus
einzudämmen und um den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern. Auch
wirtschaftlich hängen beide voneinander ab. Außerhalb der
Europäischen Union gibt es kein anderes Land, in das Deutschland mehr
Waren liefert als nach Amerika.
Allerdings reichen für eine starke Partnerschaft nicht nur Worte.
Es genügt nicht, wenn US-Außenminister John Kerry Deutschland als
wichtigen Verbündeten lobt. Das sollte schon allein aufgrund der
gemeinsamen Geschichte in den vergangenen Jahrzehnten eine
Selbstverständlichkeit sein. Wichtiger ist nun ein ganz konkretes
Signal für diese transatlantische Freundschaft. Das könnte das
sogenannte No-Spy-Abkommen sein. So will die Bundesregierung noch vor
Weihnachten mit den USA vereinbaren, dass künftig weder Bürger noch
Politiker gegenseitig ausgespäht werden. Washington reagierte darauf
zurückhaltend. Unabhängig davon, wie viel solch eine Abmachung
tatsächlich bringt, wäre es für Deutschland der so dringend nötige
Vertrauensbeweis.
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BERLINER MORGENPOST
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Datum: 07.11.2013 - 18:26 Uhr
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