Schwäbische Zeitung: Erdogan ist gescheitert

Schwäbische Zeitung: Erdogan ist gescheitert

ID: 1036280
(ots) - Recep Tayyip Erdogan ist zweifellos ein Mann
mit außerordentlichen Fähigkeiten. Der türkische Ministerpräsident
beherrscht die Klaviatur des Machtpolitikers wie wenige. Alle
Proteststürme im Inland hat er überstanden, alle Mahnungen und
Warnungen aus dem Ausland konnte er folgenlos in den Wind schlagen.
Gescheitert ist er dennoch. Denn konservativer Islam und
großtürkischer Nationalismus passen auf Dauer nicht zu einer
Gesellschaft, deren Ziel erklärtermaßen die Europäische Union sein
soll. Die Minderheit der Türken, die gegen Erdogan aufmuckt, hat dies
erkannt, er aber will sie mundtot machen. Dem sollte auch die
Sperrung des Kurznachrichtendienstes Twitter dienen - eine
gleichermaßen rabiate wie hilflose Aktion. Denn da will einer den
sprichwörtlich entwichenen Geist in die Flasche zurückdrängen. So
richtig hat das aber noch nie und nirgends geklappt.

Allerdings: Noch kann Erdogan seine zahlreichen Anhänger
mobilisieren, ja: aufpeitschen und fanatisieren. Aber zu welchem
Preis? Der zunehmend despotische Regierungschef riskiert eine
dauerhaft zerrissene türkische Gesellschaft. Er nimmt eine
Entfremdung seines Landes von Europa ebenso in Kauf wie den Verlust
seiner Glaubwürdigkeit bei den europäischen Partnern. Wer nimmt ihm
denn dort noch die Rolle des demokratischen Modernisierers ab?
Erdogan scheint jedoch finster entschlossen, diesen Gesamtpreis zu
zahlen, um nur an der Macht bleiben zu können. Dass sich der einstige
Verbündete und heutige Staatspräsident, Abdullah Gül, immer
deutlicher distanziert, ist immerhin ein gutes Zeichen.

Im Übrigen: Speziell Deutschland muss ein großes Interesse an
stabilen Verhältnissen in der Türkei haben. Die meisten der fast drei
Millionen türkischstämmigen Menschen in Deutschland haben enge
Bindungen zur früheren Heimat. Es wäre in vielerlei Hinsicht schlimm,


wenn sich der Machtkampf am Bosporus auch hier niederschlagen würde.
Einen Vorgeschmack hat es vergangenes Jahr während der Proteste auf
dem Tahir-Platz schon gegeben.



Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Schwäbische Zeitung: Zur Kommission zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr: Nicht mehr zeitgemäß Westfalenpost: Martin Korte zur Türkei und Twitter
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 21.03.2014 - 20:59 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1036280
Anzahl Zeichen: 2392

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Ravensburg



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 259 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Schwäbische Zeitung: Erdogan ist gescheitert"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Schwäbische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).


Weitere Mitteilungen von Schwäbische Zeitung


Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar G 8 oder G 9 Kein Fall für Plebiszite BERNHARD HÄNEL ...
G 8 oder G 9? 12 oder 13 Schuljahre bis zum Abitur? Endlich gibt es mal wieder ein bildungspolitisches Thema, über das herzhaft gestritten werden darf. Jeder will mitreden, auch die, deren Abitur Jahrzehnte zurückliegt, oder jene, die über vermeintlichen Leistungsstress reden wie der Blinde v

Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Die ersten hundert Tage von Schwarz-Rot Nah an den Menschen Alexandra Jacobson, Berlin ...
Eine Umfrage des Instituts Allensbach brachte jüngst Erstaunliches ans Tageslicht: Nach Jahrzehnten einer sich beschleunigenden Politikverdrossenheit wächst das Ansehen staatlicher Institutionen und Organe inzwischen wieder. Sogar von einer Trendwende war die Rede. 39 Prozent der Bürger haben

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur europäischen Energiepolitik ...
Europa steht mit dem Rücken zur Wand. Ambitioniert sollte das Modell von Demokratie und Marktwirtschaft nach Osten exportiert werden - bestenfalls ahnend, dass man sich in eine Falle begeben würde. Denn je näher man dem Einflussbereich Moskaus kam, umso größer musste das Risiko sein, zum Op

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Abschaltung von Twitter in der Türkei ...
Gut zwei Jahre ist es her, dass der damalige Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mal wieder einen Vorstoß unternahm, der Türkei in die EU zu helfen. Das Land habe im vergangenen Jahrzehnt eine »atemberaubende Erfolgsgeschichte« geschrieben, sagte Westerwelle 2012, zu lange schon träten d


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z