Internet-Knotenpunkt-Betreiber DE-CIX wehrt sich gegen BND-Überwachung
ID: 1202784
Internet-Knotenpunktes DE-CIX will sich gegen die Überwachung durch
den Bundesnachrichtendienst (BND) wehren und vor dem
Bundesverwaltungsgericht klagen. Grund ist das massenhafte und
anlasslose Ausspähen von Internetnutzern durch den
Bundesnachrichtendienst am Frankfurter Internet-Knotenpunkt.
Der Aufsichtsrat von DE-CIX, Klaus Landefeld, sagte NDR, WDR und
Süddeutscher Zeitung: "Wir bezweifeln die Rechtmäßigkeit der
Maßnahmen und halten sie für unzulässig." Im Falle einer Niederlage
werde man vor das Verfassungsgericht ziehen. DE-CIX gehört dem
eco-Verband der deutschen Internet-Wirtschaft und ist vom Volumen her
der größte Umschlagplatz für Kommunikation weltweit. Zu den Kunden
gehörten praktisch alle großen internationalen
Telekommunikations-Anbieter, darunter die Telekom, Vodafone und AT&T.
Bei DE-CIX laufen globale Netze zusammen, der Datendurchsatz beträgt
drei Terabit in der Sekunde. Seit mindestens 2009 fängt der BND hier
Telefonate, Chats und E-Mail-Verkehre ab.
Bereits vor Monaten hat DE-CIX externe Gutachter beauftragt, die
Rechtmäßigkeit der Massenüberwachung zu prüfen. Zu ihnen gehört der
frühere Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier, der die
heutige Rechtslage bereits mehrfach scharf kritisiert hat. DE-CIX
bemängelt, dass das für die Überwachung von deutscher Kommunikation
einschlägige G-10-Gesetz veraltet und für das digitale Zeitalter
nicht ausreichend präzise sei. Zudem will die Firma überprüfen
lassen, ob die bisherige BND-Praxis, Ausländer ohne jede
Einschränkung abzuhören, mit deutschen Gesetzen vereinbar ist. "Wir
sind nicht davon ausgegangen, dass Transitverkehre als völlig
vogelfrei betrachtet werden", sagt Landefeld. Diese weltweit von
Geheimdiensten praktizierte Methode war durch die NSA-Enthüllungen in
die Kritik geraten. Papier hält sie, anders als die Bundesregierung,
für einen Verstoß gegen das Grundgesetz.
DE-CIX hatte sich bereits 2008 an die G-10-Kommission des
Deutschen Bundestages gewandt, um über seine juristischen Bedenken zu
sprechen. Landefeld berichtete im März in einer Vernehmung vor dem
NSA-Untersuchungsausschuss, er sei daraufhin vom Kanzleramt daran
gehindert worden. Landefeld kritisierte dies als "Powerplay".
In der Bundesregierung wird nun nach einem Weg gesucht, die in die
Kritik geratenen Überwachungsmethoden mit einer neuen gesetzlichen
Regelung abzusichern - darauf drängt auch die SPD. Zuletzt war die
Kritik an den BND-Praktiken immer lauter geworden, vor allem in der
dafür zuständigen G-10-Kommission des Bundestages. Deren Mitglied
Frank Hofmann, ein früherer SPD-Bundestagsabgeordneter, erhebt jetzt
schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung und spricht von
"Trickserei" und einer "Täuschung der Kommission" durch die
Bundesregierung. Diese hat immer wieder darauf hingewiesen, dass sich
die BND-Praktiken von denen der NSA unterschieden. Auch seien alle
Gremien des Bundestages immer zutreffend unterrichtet worden. Noch
vor der Sommerpause will die Bundesregierung einen ersten
Gesetzentwurf vorlegen.
Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Ralf Pleßmann
Tel.: 040/4156-2333
http://www.ndr.de
https://twitter.com/ndr
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 22.04.2015 - 17:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1202784
Anzahl Zeichen: 3637
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Hamburg
Kategorie:
Bundesregierung
Diese Pressemitteilung wurde bisher 295 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Internet-Knotenpunkt-Betreiber DE-CIX wehrt sich gegen BND-Überwachung"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
NDR Norddeutscher Rundfunk (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die ARD Erfolgsserie „Schwarzes Gold“, die der NDR 2025 für die ARD Mediathek produzierte, ist mit dem renommierten Preis für klassische Musik “Opus Klassik” in der Kategorie „Filmmusik/Score des Jahres“ ausgezeichnet worden. Die Ehrung würdigt die außergewöhnliche musikalische Arbe
Neuer Reiseleiter im NDR Fernsehen: Yared Dibaba übernimmt „Zeitreisen“-Moderation ...
„Yareds Zeitreisen“ heißt es ab dem 12. August im NDR Fernsehen - statt bisher „Meyer-Burckhardts Zeitreisen“. Denn Yared Dibaba übernimmt die Moderation der beliebten historischen Sendereihe von seinem Kollegen Hubertus Meyer-Burckhardt - und freut sich sehr auf diese Aufgabe: „Historis
„Vertell doch mal!”: Das sind die Siegerinnen und Sieger des niederdeutschen Schreibwettbewerbs 2026 ...
„Kuddelmuddel“ – unter diesem Motto stand der 38. niederdeutsche „Vertell doch mal!“-Wettbewerb von NDR, Radio Bremen und Ohnsorg-Theater. ?Rund 500? plattdeutsche Erzählungen waren bis Anfang März eingesandt worden. Jetzt hat eine Jury die fünf besten Geschichten ausgesucht, die am Son
Weitere Mitteilungen von NDR Norddeutscher Rundfunk
Union sabotiert deutsches Klimaschutzziel ...
DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner fordert die CDU/CSU auf, sich als Regierungsparteien klar zum Klimaziel der Bundesregierung zu bekennen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat im März 2015 einen Klimabeitrag für Kohlekraftwerke ins Gespräch gebracht, auf den die U
phoenix-Live: PK Frühjahrsprojektion mit Bundeswirtschaftsminister Gabriel - Mittwoch, 22. April 2015, 11.15 Uhr ...
Dreimal im Jahr prognostiziert die Bundesregierung die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Am Mittwoch stellt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Frühjahrsprojektion 2015 vor. phoenix überträgt die Pressekonferenz live aus Berlin. Pressekontakt: phoenix-Kommunikation
Stuttgarter Zeitung: Kommentar zu Bundesländer/Reform/Tempo-30-Zonen ...
Die Reform ist nur ein kleiner Schritt. Unfallforscher weisen nämlich gebetsmühlenhaft darauf hin, dass sich mit einer Absenkung der Geschwindigkeit das Risiko allgemein stark senken lässt. Das gilt nicht nur vor Schulen, Kindertagesstätten oder Altenheimen. Das gilt auch für Landstraßen, w
Stuttgarter Zeitung: Kommentar zu von der Leyen/G36 ...
Mag die mangelhafte Zielgenauigkeit des Standardgewehrs der Bundeswehr bei extremer Hitze und Dauerfeuer nun auch belegbar sein, so musste das Ministerium doch zugleich einräumen, dass das Sturmgewehr 1994 für solche Gefechtssituationen wohl gar nicht bestellt worden sei. Für die Oberndorfer




