Allg. Zeitung Mainz: Wo sind die anderen? / Kommentar zu Grenzkontrollen von Lars Hennemann
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Grenzkontrollen nur ein taktisches Signal an die EU-Innenminister vor
deren Sondertreffen aussendet. Frei nach dem Motto: Übertreibt es
nicht, liebe weiteren Mitglieder der angeblichen Wertegemeinschaft
Europa. Aber Signal hin oder her - es musste so kommen. Ja,
Deutschland ist stark. Die Menschen sind in ihrer überwältigenden
Mehrheit überwältigend hilfsbereit, und das ist mehr ein Grund, stolz
auf dieses Land zu sein, als alle Fußball-WM-Titel und Exportrekorde
zusammen. Und dennoch kann selbst Deutschland die Flüchtlingskrise,
die globale Ausmaße hat, nicht alleine bewältigen. Wir dürfen das
auch gar nicht versuchen. Es wäre ein völlig falsches Signal: Das
Völkerrecht gilt entweder für alle oder für niemand. Wo sind
Großbritannien und Frankreich? Manches Problem, das bis heute zu
Krieg und Elend führt, begann in der Kolonialzeit. Wo sind die USA,
die den Islamischen Staat möglich gemacht haben? Wo sind die reichen
Golfstaaten? Wo ist Russland, das lieber einen neuen Kalten Krieg
heraufbeschwört anstatt die Altlasten des vorherigen zu beseitigen?
Allein, bevor man mit dem Finger auf andere zeigt, muss man erst vor
der eigenen Türe kehren. Und dafür wird es innerhalb der EU höchste
Zeit. Deutschland wird weiter bis an seine (Schmerz-)Grenzen gehen,
darauf kann sich die Welt verlassen. Angela Merkel zeigt in diesen
Tagen die entschlossene Führung, die man so oft von ihr verlangt hat.
Aber sie wird die Menschen dabei nur so lange hinter sich haben, wie
sie wissen, dass andere Länder ebenfalls ihre Grenzen suchen. Und sie
nicht einfach nur menschenverachtend dicht halten.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
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Datum: 13.09.2015 - 19:18 Uhr
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