Mittelbayerische Zeitung: Aufklärung fängt erst an / Kommentar zu den Missbrauchsfällen bei den Regensburger Domspatzen
ID: 1306411
Domspatzen eingesetzte Gutachter hat seine Arbeit gemacht.
Rechtsanwalt Ulrich Weber hat bewiesen, dass er seine Auftraggeber
nicht schont. Das ist die positive Erkenntnis. Sie sollte ehemaligen
Domspatzen, die mit dem Gedanken spielen, sich bei ihm zu melden, den
Mut geben, das zu tun. Nur so kann Art, Ausmaß und Intensität der
Geschehnisse und der Umgang mit denselben möglichst exakt erfasst
werden. Webers Erkenntnisse könnten somit eine umfassende Aufklärung
des Missbrauchsskandals in Gang bringen. Beschämend ist das, was
Weber zutage förderte, für das Bistum Regensburg. Bislang ging es von
rund 70 Jungen aus, die in der damaligen Domspatzen-Vorschule von
Betreuern massiv drangsaliert und brutal geprügelt worden sind. Zur
Zahl der Opfer sexuellen Missbrauchs im gesamten Bistum hieß es nach
kircheninternen Ermittlungen, dass seit 1945 rund 80 Kinder betroffen
gewesen seien, darunter etliche Domspatzen. Weber ermittelte
innerhalb weniger Monate mehr als dreimal so viele Gewaltopfer.
Darüber hinaus erfasste der Rechtsanwalt bisher 60 mutmaßliche Opfer
sexuellen Missbrauchs - allein bei den Domspatzen. Und: Die
gemeldeten Fälle reichen bis in die Nullerjahre. Es war ein großer
Fehler des Bistums, sich am Freitag nicht zu äußern. Seit Jahren
steht es immer wieder in der Kritik, das Ausmaß des
Missbrauchsskandals vertuschen zu wollen und Opfer hinzuhalten. Das
erneute Schweigen nährt den Verdacht, dass an dem Vorwurf, es gebe
gar nicht den notwendigen Willen zu einer lückenlosen Aufklärung
etwas dran ist. Die nächste Chance sollte das Bistum nicht so einfach
verstreichen lassen. Sie tut sich Anfang Februar auf, wenn sich das
beratende Kuratorium erstmals trifft. Die Opfer haben einerseits
große Hoffnungen, dass sich etwas tut, wenn sie mit Bischof Rudolf
Voderholzer an einem Tisch sitzen. Andererseits ist für sie auch
klar: Eine Untersuchung der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals
durch Rechtsanwalt Weber allein reicht nicht. Der Jurist, der seit
Jahren auch für die Opferorganisation Weißer Ring arbeitet, kann eine
umfassende Aufarbeitung der Vorkommnisse gar nicht leisten. Dazu
bräuchte es ein Engagement ähnlich wie im oberbayerischen
Benediktinerkloster Ettal. Ist das Bistum dazu nicht bereit, wollen
die Opfer selbst eine inhaltliche Aufarbeitung finanzieren.
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Datum: 08.01.2016 - 20:35 Uhr
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