Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Reinhard Zweigler zu Rechtsstaat/Silvesternacht in Köln

Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Reinhard Zweigler zu Rechtsstaat/Silvesternacht in Köln

ID: 1353958
(ots) - Grenzen des Rechtsstaates

Abscheu, Ohnmacht, Wut. Die Silvesternacht von Köln, in der
Hunderte Frauen rund um den Hauptbahnhof der Domstadt praktisch
Freiwild waren für Diebe und Räuber, Grapscher und Sexualtäter, hat
eine Welle von Emotionen ausgelöst. Landauf, landab, weit über Köln
hinaus. Eigentlich sollte unbeschwert das neue Jahr gefeiert werden,
doch Köln erlebte einen Alptraum. Vor allem junge Asylbewerber aus
nordafrikanischen Staaten veranstalteten, im Schutze der Dunkelheit
und von Polizeikräften kaum gestört, eine Orgie der Gewalt, der
Einschüchterung, der Nötigung. Köln wurde zum Menetekel. Was in der
Silvesternacht 2015 geschah, passte so gar nicht zur
Willkommenskultur, die seit dem Sommer das Bild der
Flüchtlingsaufnahme in Deutschland maßgeblich bestimmte. War es
bereits vor dem 31. Dezember zu einigen
Anti-Flüchtlingsdemonstrationen, sogar zu Angriffen und
Brandanschlägen auf Heime gekommen, so schien mit Köln die Stimmung
endgültig zu kippen. Menschen, denen hierzulande Schutz und
Sicherheit gewährt wurde, werden zu Kriminellen - die Empörung in
vielen Teilen der Bevölkerung war riesig. Die Täter haben damit nicht
nur den unmittelbar betroffenen Opfern Schlimmes angetan, sondern
auch dem Großteil der Flüchtlinge einen Bärendienst erwiesen. In der
aufgeladenen Atmosphäre nach Köln waren Differenzierungen kaum
gefragt. Alle über einen Kamm zu scheren, hatte dagegen Konjunktur.
Ob ein Asylbewerber nun kriminell war oder nicht, spielte keine
Rolle; er war einem großen Teil der besorgten Öffentlichkeit in jedem
Fall verdächtig geworden. Und die Medien, die aufgrund einer anfangs
dünnen Nachrichtenlage erst viel zu spät berichteten und auch sonst
nicht durchwegs eine gute Figur machten, wurden flugs als Lügenpresse
abgestempelt. Die Bestürzung über die schlimmen Geschehnisse von Köln


vor vier Monaten war allgegenwärtig, nicht nur bei Pegida und AfD,
die nach Köln kräftig Zulauf erhielten, sondern auch bei allen
etablierten Parteien, von der Union, der SPD, den Grünen bis zur
Linken. Hastig wurden Gesetzesverschärfungen bis hin zu Abschiebungen
von rechtskräftig verurteilten Sexualstraftätern angekündigt. Ob
nicht vielleicht sogar organisierte Kriminalität am Werke gewesen
sei, wurde gefragt. Wirklich geschehen ist allerdings wenig. Sieht
man einmal davon ab, dass drei nordafrikanische Länder - Algerien,
Marokko und Tunesien - zu sicheren Drittstaaten erklärt werden
sollen. Allerdings hängt die Regelung in der Länderkammer fest. Die
Aufarbeitung, Ermittlung und gegebenenfalls Bestrafung der Täter aus
der Silvesternacht lag also nun allein in den Händen der Kölner
Justiz. Und die hat bereits ein halbes Dutzend Asylbewerber wegen
Diebstählen zu Bewährungsstrafen verurteilt. Gestern stand erstmals
auch ein Sexualdelikt zur Anklage. Doch diese Anklage wurde rasch
fallengelassen, weil das Opfer den Täter nicht einwandfrei
identifizieren konnte. Wie denn auch? Aus einer grölenden Horde genau
den oder die Übeltäter zu benennen, ist für ein Opfer, das noch dazu
unter Schock steht und mit solchen Attacken keineswegs rechnen
konnte, nahezu unmöglich. Die Kölner Justiz hat die Grenzen des
Rechtsstaats mit den milden Richtersprüchen gerade so ausgeschritten.
Härtere Strafen für kriminelle Asylbewerber waren nach den
vorliegenden Ermittlungen offenbar nicht möglich. Doch ein bitterer
Nachgeschmack bleibt. Mit solch geringen Strafen wird keinem der
Übeltäter von Köln die Abschiebung drohen. Die Täter bleiben unter
uns und viele werden unerkannt und ungestraft davon kommen.



Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Schwäbische Zeitung: Cameron ist auf sich gestellt - Kommentar zu Regional- und Kommunalwahlen in Großbritannien Badische Neueste Nachrichten: zu Steinbach
Kommentar von Martin Ferber
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 06.05.2016 - 21:09 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1353958
Anzahl Zeichen: 4090

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Regensburg



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 381 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Reinhard Zweigler zu Rechtsstaat/Silvesternacht in Köln"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Dunkle Wolken am Tag der Arbeit / Die Gewerkschaften stehen vor großen Herausforderungen. Hohe Tarifforderungen sind nachvollziehbar, aber sie dürfen die Inflation nicht zu sehr befeuern. ...
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C

Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt

Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,


Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung


Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Rücktritt von Ahmet Davutoglu ...
Ahmet Davutoglu ist der Mann, mit dem die EU, und allen voran Deutschland, das Flüchtlingabkommen verhandelt hat. Der Rückzug des türkischen Ministerpräsidenten hat weitreichende Konsequenzen für das Abkommen und den Umgang mit der Türkei. Es steht zu befürchten, dass die Umsetzung des

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu der Karlspreis-Verleihung ...
Endlich. Endlich ist da einer, der die Krise Europas beim Namen nennt. Der nicht vor einer Bewegung kuscht, die sich selbst als »Volkes Stimme« sieht. Der Wahrheiten benennt, wo andere den tausendfachen Flüchtlingstod im Mittelmeer kaum zur Kenntnis nehmen. Der zu Visionen aufruft, wo ande

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Situation der SPD ...
Bis zur nächsten Bundestagswahl dauert es zwar noch einige Zeit. Aber dennoch hat bei der SPD das Zittern im Hinblick auf den Herbst 2017 längst begonnen. 20 Prozent in den Umfragen sind nicht gerade das, was man als komfortabel bezeichnen kann. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat aktuell die schlec

Aachener Zeitung: Kommentar von Bernd Mathieu Wie erwartet! Was bewirken nun die Botschaften des Papstes? ...
Dieses Europa ist ziemlich heruntergekommen. Es ist weiter denn je entfernt von seinen Idealen, seinen Ansprüchen und leider auch von großen Teilen seiner Bevölkerung. Die europäische Krise hat Europa ins Wanken gebracht, und Besserung ist angesichts der Erfolge rechtspopulistischer Parteien


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z