Allg. Zeitung Mainz: Hirn hilft / Kommentar zur Angst-Umfrage von Reinhard Breidenbach
ID: 1379254
sich 73 Prozent von ihnen vor Terrorismus fürchten und dass zwei
Drittel "die Politik" für überfordert halten. Wie schön. Gut, dass
das den Deutschen immer mal wieder jemand sagt. Wobei Politik-Bashing
ein Selbstläufer ist, mit Applaus-Garantie. Und Applaus ist immer gut
für ein Versicherungsunternehmen. Hinzu kommt die klammheimliche
Frage des Betrachters, ob die brandheißen Warnungen vor Terrorismus
so ganz uneigennützig sind - oder vielleicht auch in bisschen dem
Zweck dienen sollen, die verängstigten Deutschen zu bewegen, ganz
allgemein in mehr Sicherheit zu investieren, vielleicht in private
Unfall-, Lebens- oder Rentenversicherungen, wo doch die überforderte
Politik angeblich gerade bei der Rente kläglich versagt. Sarkasmus
beiseite: Tatsächlich ist die Terrorgefahr in erschreckender Weise
gestiegen, Anschläge sind tödliche Realität. Damit muss jeder
verantwortungsbewusst umgehen. Verharmlosung ist da ebenso fatal wie
Panikmache. Was immer hilft, ist nachdenken. Zum Beispiel darüber, ob
es nicht hirnrissig ist, dass ausgerechnet in Staaten mit nahezu
keinem Flüchtlingszustrom die Angst vor zunehmender Terrorgefahr
durch Flüchtlinge am größten ist. Oder darüber, dass Zuwanderung
nicht nur finanzielle Aufwendungen erfordert, sondern langfristig die
deutsche Rentenkasse halbwegs stabil halten könnte. Oder darüber, ob
es wirklich eine super Idee ist, Rechtsaußen-Parteien zu wählen, um
den angeblich überforderten Politikern der anderen Parteien vors
Schienbein zu treten. Zu hoffen ist nun inständig, dass bald eine
repräsentative Umfrage der R+V-Versicherung erscheint, Titel: "Die
Hoffnungen der Deutschen".
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Allgemeine Zeitung Mainz
Wolfgang Bürkle
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Datum: 12.07.2016 - 18:59 Uhr
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