Mittelbayerische Zeitung: Es gibt kein "weiter so!" / Nicht nur am Gillamoos ist klar: Schuld an allem ist die Kanzlerin. Aber das ist zu einfach. Leitartikel von Christian Kucznierz
ID: 1396521
in Mecklenburg-Vorpommern, Tag eins nach dem Debakel für die Union
dort, für die Union im Land, für CDU und CSU ein Jahr vor der
Bundestagswahl. Die Schuldige ist schnell ausgemacht, die Kanzlerin
selbst gibt zu, dass ihre Flüchtlingspolitik zu diesem Ergebnis
geführt hat. Sie sagt das in China, bei einer Reise, bei der sich ein
Regierungschef eigentlich nie zur Innenpolitik äußert.
Merkeldämmerung? Vielleicht. Die Schuld der CDU-Vorsitzenden zu
geben, ist einfach. Zu einfach. Die einzigen, die mit dem Finger auf
die Kanzlerin deuten dürfen an diesem Montag, haben ausgerechnet
einen CDU-Mann zum politischen Frühschoppen auf dem Gillamoos
geladen. Kanzleramtsminister Peter Altmaier spricht bei der CSU, die
sich nun bestätigt sieht: Merkels Politik treibt die Menschen in die
Arme der Rechtsaußen. Davor haben Seehofer, Scheuer, Söder und Co.
immer gewarnt, und daher sind sie mit die ersten, die Merkel
angreifen. In den eigenen Reihen der CDU-Chefin machen manche fleißig
mit. Und es stimmt ja auch: Merkel hat ihr "Wir schaffen das"-Credo
nie relativiert. Sie hat es wiederholt, mantra-artig. Sie hat Wähler
damit irritiert, verschreckt, sie hat sich Feinde gemacht, ja für
viele Bürger ist sie zum Hassobjekt geworden. Dabei ist das, was
Merkel macht, genau das, was viele bei Politikern immer vermissen:
Sie hat Kurs gehalten. Nur hat sie das Ziel der Reise nicht
definiert. Und das könnte ihr zum Verhängnis werden. Kanzleramtschef
Altmaier also muss in die Höhle des Löwen und den CSU-Anhängern
erklären, warum die Politik der Kanzlerin doch richtig ist. Er tut es
nur nicht. Merkels Politik erklärt sie selbst viel zu selten. Wie
soll es dann ihrem Minister gelingen? Also ist das Feld bereitet für
Attacken, und das ist legitim - in Maßen. Der Kanzlerin vorzuwerfen,
sie arbeite immer noch für die Stasi, wie es Freie-Wähler-Chef Hubert
Aiwanger tut, könnte man dabei als Folklore abtun, wenn es nicht
geschmacklos wäre. Das Problem aber ist, dass weder Freie Wähler,
noch SPD, FDP oder Grüne geschafft haben, was die AfD geschafft hat:
Menschen, die bisher nicht oder nicht mehr gewählt haben, an die
Urnen zu bringen. Man kann der AfD zurecht vorwerfen, mit ihren
Forderungen keine Alternative für Deutschland zu sein. Die Frage
aber, warum die Wähler in der Partei offenbar doch eine Alternative
sehen, bleibt auch von Merkels Kritikern unbeantwortet. Und von ihrer
Partei kommt zu einem politischen Schlagabtausch, der eigentlich die
beste Gelegenheit böte, die Moral zu heben, ein Kanzleramtschef, der
die Massen höchstens wachhält, aber nicht wachrüttelt. Parolen dort
und Phrasen hier: So geht Politik 2016 offenbar immer noch. Es ist
richtig: Merkel hat es nicht geschafft, ihre Mission zu erklären. Das
Integrationsgesetz mag ein scharfes Schwert sein, die Schließung der
Balkanroute und das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei haben Wirkung
gezeigt. Hängen geblieben ist bei den Wählern aber nur die Angst, die
die Populisten gefüttert haben, und die die etablierten Parteien
nicht besänftigen konnten. Mit Ausnahme der CSU kann keine Partei am
Ende berechtigter Weise sagen, ohne ihr Zutun - man kann es auch
Blockade nennen - wäre alles noch schlimmer. Nach der Bundestagswahl
2017 dürften wir die AfD als Redner in Bierzelten erleben. Und dann?
Hilft kein Merkel-Bashing mehr. Die AfD hat sich etabliert. Es gilt,
sich mit ihr inhaltlich auseinanderzusetzen. Das ist unangenehm. Aber
nicht nur beim Gillamoos ist zu sehen, wie dringend die deutsche
Parteienlandschaft eine echte Profilerneuerung nötig hat.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Original Content von: Mittelbayerische Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 05.09.2016 - 20:45 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1396521
Anzahl Zeichen: 4214
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 347 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Es gibt kein "weiter so!" / Nicht nur am Gillamoos ist klar: Schuld an allem ist die Kanzlerin. Aber das ist zu einfach. Leitartikel von Christian Kucznierz"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
Lausitzer Rundschau: Kein Urteil heilt den Schmerz Zum Urteil im Fall Anneli-Marie ...
Das Urteil des Landgerichtes Dresden im Fall der entführten und erdrosselten Anneli fiel wie nach der Beweisaufnahme erwartet aus. Der heute 40-jährige Markus B. muss wegen Mordes an der 17-Jährigen lebenslänglich ins Gefängnis. Die besondere Schwere der Schuld verlängert seine Mindesthaftz
Lausitzer Rundschau: Das Zugpferd lahmt Merkels Politik und Position geraten ins Wanken ...
Es gibt nach der Landtagswahl am Sonntag zwei wesentliche Erfahrungen, die für Angela Merkel neu sind. Zum einen wird von vielen Wählern erstmals ein negatives Thema mit ihr persönlich in Verbindung gebracht - die Flüchtlingskrise und ihre Folgen. Bislang war es in den Jahren ihrer Kanzlersc
WAZ: Juristische Ohrfeige mit Ansage - Kommentar von Tobias Blasius zur Frauenquote ...
Das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf zur Neuregelung der Frauenförderung im NRW-Landesdienst ist eine juristische Klatsche mit Ansage. Monatelang war die rot-grüne Landesregierung davor gewarnt worden, die gewiss gut gemeinte Gleichstellung mit allerlei Gummiparagrafen im Dienstrecht
phoenix Live: Haushaltswoche im Bundestag - Dienstag, 06. September bis Freitag, 09. September 2016, ab 09.00 Uhr ...
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble peilt auch für das kommende Jahr die "Schwarze Null" an - trotz des finanziellen Mehraufwands für die Integration der Flüchtlinge will er keine neuen Schulden machen. Die guten Konjunkturdaten lassen die Regierung sogar über Steuererleichterung




