Mittelbayerische Zeitung: Mission Spaltpilz / Trump kommt mit einer Mission nach Europa: Er will die Staatengemeinschaft weiter auseinanderdividieren.
ID: 1508418
Dissens sei offenkundig, räumte die Kanzlerin in ihrer
Regierungserklärung zum G-20-Gipfel ein. "Wer glaubt, die Probleme
dieser Welt mit Isolationismus und Protektionismus lösen zu können,
der unterliegt einem gewaltigen Irrtum." Klar wusste jeder, wer damit
gemeint war: Donald Trump, der "America-first"-Präsident, dessen
Premiere auf der Weltbühne beim NATO-Gipfel in Brüssel und
anschließend bei der G7-Konferenz im sizilianischen Taormina Ende Mai
Diplomaten noch heute Gruseln lässt. Doch das könnte erst der Anfang
gewesen sein. Denn mit seinem kurzfristig dem G20-Gipfel
vorgeschalteten Besuch in Warschau setzte Trump seine
"Teile-und-herrsche-Mission" fort. Während Merkel und Macron die
Fahne der Globalisierung hochhalten, beschwört Trump in Polen
seinerseits die Rückkehr zu nationalistischem Stammesdenken. Nein,
Herr Präsident, das Herz Europas schlägt nicht in diesem Polen, und
"der Westen" befindet sich auch in keinem Kampf der Zivilisationen.
Die Bedrohung kommt von innen - und zwar durch Führer, die
demokratische Institutionen und multilaterale Organisationen
unterminieren. Das Bekenntnis zu Artikel 5 des NATO-Vertrages und die
milde Russland-Kritik sind so glaubwürdig wie die vielen anderen
Dinge, an die sich Trump nach kürzester Zeit schon nicht mehr
erinnern kann. Wohl wahr - Taten zählen, nicht Worte. Das lässt sich
auch über seine Zusicherung in einem Telefonat mit Merkel von diesem
Montag sagen, "den Gipfel zum Erfolg zu machen". Der Präsident
versteht unter Erfolg nämlich etwas anderes als die Kanzlerin. Trumps
politische "Sherpas" blockieren bei der Vorbereitung der Erklärungen
der Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel, wo sie nur können,
vom Klima über die Regulierung der Finanzmärkte bis hin zum
Freihandel. Mit Spannung erwartet wird das erste bilaterale Treffen
Trumps mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Brisante Themen
gibt es reichlich - von der Ukraine über Syrien bis hin zu Nordkorea,
das unmittelbar vor dem G20-Treffen eine Langstreckenrakete testete.
Die Einmischung Russlands in die US-Präsidentschaftswahlen hat für
Trump offenbar keine Priorität mehr. Man könne sich nicht ganz sicher
sein, sagte Trump in Warschau, das Russland alleine hinter der
Einmischung in die Wahlen stehe. Wer genau sagt das? Die
amerikanischen Geheimdienste jedenfalls kommen zu einer ganz anderen
Einschätzung. Dass seine Experten Trump mit Putin nicht allein lassen
wollen, zeigt, wie berechtigt die Sorge vor einem "Trump-Putin-Pakt"
ist. Zumal trotz einzelner Unstimmigkeiten ideologisch eine größere
Nähe zwischen den beiden National-Chauvinisten besteht als zu den
Protagonisten einer multilateralen Weltordnung, für die das nach der
Weltfinanzkrise 2009 geschaffene G20-Format idealtypisch ist. Ein
Strategiepapier von Trump Nationalem Sicherheitsberater H.R.
McMasters lässt keinen Zweifel an der Stoßrichtung der
America-first-Politik des Präsidenten. Demnach ist die Welt "keine
globale Gemeinschaft, sondern eine Arena, in der Nationen,
Nicht-Regierungs-Akteure und Unternehmen agieren und im Wettbewerb um
Vorteile streiten". Erfolg in diesem Kontext bedeutet für Trump
nicht, andere Nationen zur Zusammenarbeit zu gewinnen, sondern sie zu
dominieren. Das ist die Mission dieses Präsidenten, der mit allen
Vorgängern im Weißen Haus seit dem Zweiten Weltkrieg bricht und nicht
als Freund, sondern als Spalter nach Europa kommt.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Original-Content von: Mittelbayerische Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 06.07.2017 - 18:13 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1508418
Anzahl Zeichen: 4073
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 376 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Mission Spaltpilz / Trump kommt mit einer Mission nach Europa: Er will die Staatengemeinschaft weiter auseinanderdividieren."
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
Krank im Urlaub - was müssen Arbeitnehmer beachten? ...
Maximilian Renger: Die Urlaubssaison ist langsam absehbar, viele Arbeitnehmer werden sich schon auf ihren Urlaub freuen. Umso ärgerlicher für den, der dann teilweise oder gar die ganze Urlaubszeit über krank ist. Was kann man denn in diesem Fall als Arbeitnehmer machen? Fachanwalt Bredereck: I
Der Tagesspiegel: Koalitionspolitiker gegen soziales Pflichtjahr ...
Berlin - Die vom Vorstandsvorsitzenden der von Bodelschwingh'schen Stiftungen Bethel, Ulrich Pohl, erhobene Forderung nach einen sozialen Pflichtjahr für junge Männer und Frauen findet in der regierenden Koalition wenig Zustimmung. Die SPD-Familien- und Sozialpolitikerin Svenja Stadler sag
Straubinger Tagblatt: Zur digitalen Regierungserklärung in Bayern Schöne digitale Zukunft ...
Schnelle Datenautobahnen und digitale Leuchttürme zu fördern ist richtig und wichtig. Es wäre aber auch schön, wenn sich die Staatsregierung im Rahmen der Digitalisierungsoffensive zum Anwalt der Verbraucher machen und einmal die Telekommunikationsanbieter ins Gebet nehmen würde, die gerne
Frankfurter Rundschau: Kommentar zu G20 und Afrika ...
Um was muss es gehen, wenn der Club der potentesten Ökonomien es wirklich ernst meint mit Afrika? Schlicht um grundlegende Menschenrechte und ein Leben in Würde. Alle Masterpläne - heißen sie nun "Compact with Afrika" oder "Marshall-Plan mit Afrika" - müssten das zum Ausg




