Heilbronner Stimme: GEW rechnet mit 7000 bis 8000 Entlassungen von befristet angestellten Lehrern in Baden-Württemberg und übt scharfe Kritik
Höchststand bei Zahl der befristet angestellten Lehrern im Land
ID: 1510487
(GEW) hat zum nahenden Beginn der Sommerferien die Entlassungen von
befristet angestellten Lehrern scharf kritisiert. "Insgesamt rechnen
wir damit, dass 7000 bis 8000 befristet Beschäftigte zum letzten
Schultag arbeitslos werden", sagte ein Sprecher der GEW der
"Heilbronner Stimme" (Donnerstag).
Nach Angaben des Kultusministeriums gab es im Juni 4244 befristet
beschäftigte Lehrkräfte im Land, mehr als jemals zuvor. Mit den
Sommerferien endet ihr Arbeitsvertrag - und das, obwohl die meisten
von ihnen auch im kommenden Schuljahr wieder vor einer Klasse stehen
werden. Mit den Entlassungen spart sich das Land die Gehälter für die
Ferienzeit. In ihre Berechnung schließt die Gewerkschaft auch den
Großteil der etwa 5000 Referendare ein, von denen die Mehrheit nach
den Sommerferien eine Stelle antreten wird.
Die GEW hält die Entlassungen für einen verantwortungslosen Umgang
mit Beschäftigten und fordert einen Ausbau der festen Lehrerreserve.
"Lehrer im Süden von Baden-Württemberg versuchen in die Schweiz
abzuwandern, wo sie deutlich höhere Gehälter bekommen", sagte ein
Sprecher mit Blick auf den Lehrermangel und den prognostizieren
Schülerzuwachs. Das Ministerium argumentiert, dass bei
Vertragsabschluss für Vertretungsstellen der Bedarf für die Zukunft
oft noch nicht abzusehen sei.
Dass die Zahl der befristet beschäftigten Lehrer zunimmt - 2008
waren es lediglich 1216 - liegt laut Doro Moritz, Landesvorsitzende
der GEW, zum einen daran, dass immer mehr junge Frauen in den
Schuldienst einsteigen, die in der Elternzeit vertreten werden
müssen, zum anderen aber auch daran, dass neu eingestellte Lehrkräfte
zur Betreuung von Flüchtlingen in der Regel zu den Sommerferien
entlassen werden. "Auf unsere Forderung, die Lehrer über die
Sommerferien zu bezahlen heißt es in Gesprächen mit der
Landesregierung stets, dass das Geld lieber für andere Dinge
ausgegeben wird. Das ist knallhart an der Lebenswirklichkeit der
Menschen vorbei."
Selbst wenn ein Vertrag elf Monate lang über das ganze Schuljahr
laufe, bestehe nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosengeld I während
der Sommerferien. "Fairerweise muss man sagen, dass unter den 4244
befristet beschäftigten Lehrern auch Pensionäre sind, die
beispielsweise im ländlichen Raum den Lehrkräftemangel ausgleichen",
so Moritz. "Ich bin aber sicher, dass das nicht mehr als 300 sind."
Das Kultusministerium verweist darauf, dass sich nur drei Prozent der
110 000 Lehrkräfte an öffentlichen Schulen in befristeten
Arbeitsverhältnissen befinden.
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Datum: 13.07.2017 - 10:00 Uhr
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