Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zu Trump und seine Personalpolitik

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(ots) - Ein wenig Mitleid verdient Anthony Scaramucci
alias "The Mooch" schon. Der Hedgefonds-Manager gab für die Chance,
das Sprachrohr Donald Trumps zu werden, eine Menge auf. Er trennte
sich von seinem Geschäft, riskierte die Scheidung von seiner Frau und
verpasste sogar die Geburt seines Sohnes. Der Selbstdarsteller tat,
womit Trump ihn beauftragt hatte. Schon vor seiner Ankunft ekelte er
Sean Spicer weg. Reince Priebus hielt es nach einer Woche nicht mehr
aus. Er verpasste Stephen Bannon einen Warnschuss, als er ihn in
einem Interview einen "Schwanzlutscher" nannte. Und jetzt das. Dass
der Präsident Anstoß an der vulgären Ausdrucksweise nahm, kauft in
Washington niemand als Erklärung für das kürzestes Gastspiel aller
Zeiten eines Kommunikationsdirektors im Weißen Haus ab. Zumal sich
Trump in der Vergangenheit selber sehr viel primitiver ausdrückte.
"The Mooch" musste gehen, weil er dem von der Russland-Affäre
besessenen Präsidenten plötzlich im Weg stand, Sonderermittler Robert
Mueller loszuwerden. Die Säuberung des Weißen Hauses von den letzten
Resten des republikanischen Establishments markierte den Anfang einer
großen Personal-Rochade. Die Tage von Sprecher Sean Spicer und des
ehemaligen Parteichefs der Republikaner Reince Priebus waren schon
vor der Ankunft Scaramuccis gezählt. Als Nachfolger Priebus in der
Rolle des Stabschefs hatte Trump schon vor Wochen General Kelly im
Auge, der an der Spitze des Heimatschutz-Ministeriums stand. Wenn er
diesen ins Weiße Haus hole, so das Kalkül, könne er Justizminister
Jeff Sessions auf dessen alten Job entsorgen. Seit sich Sessions
wegen Befangenheit aus allen Ermittlungen in der Russland-Affäre
zurückgezogen hat, grollt der Präsident seinem Gefolgsmann der ersten
Stunden. Da nur der Justizminister den Sonderermittler feuern kann,
braucht Trump jemanden, der das für ihn erledigt. Eine Rochade


zwischen Kelly und Sessions verschaffte ihm die Möglichkeit dazu. Der
General machte zur Vorbedingung für die Annahme des Jobs, dass es
neben ihm als Stabschef im Weißen Haus keine anderen Personen geben
wird, die direkten Zugang zum Präsidenten haben. "The Mooch"
verkalkulierte sich mit seiner Weigerung, sich Kelly unterzuordnen.
Dabei hätte er es längst besser wissen sollen. Trump interessiert
sich nur für Trump. Er benutzt Menschen wie Papiertaschentücher. Wenn
er sie gebraucht hat, wirft er sie weg. "You are fired" ist nicht nur
der Spruch, mit dem er in seiner Reality-TV-Show unglückliche
Kandidaten feuerte. Es ist das Markenzeichen einer narzisstischen
Persönlichkeit, die keine Loyalität kennt. Von seinem ehemaligen
Wahlkampfmanager Paul Manafort über seinen ersten Nationalen
Sicherheitsberater Michael Flynn und Sprecher Sean Spicer bis hin zu
Stabschef Priebus und nun auch Kommunikationsdirektor Scaramucci
verheizte er einen Getreuen nach dem anderen. Das verheißt für den
neuen Stabschef Kelly wenig Gutes. Wer sich auf Trump einlässt,
riskiert alles. Dieser Mann braucht Chaos und Intrige wie die Luft
zum atmen. Auf sein Wort ist weniger Verlass als auf die
Versicherungen eines Gebrauchtwagenverkäufers. So gesehen ist der
Wechsel im Weißen Haus kein Neuanfang, sondern nur die Fortsetzung
dessen, was seinen Charakter bisher auszeichnete. Dass es mit Anthony
Scaramucci diesmal einen traf, der nicht viel anders agiert, macht
die Aussichten nicht besser. "The Mooch" wird nicht der Letzte sein,
den der notorische Lügner im Weißen Haus über die Klinge springen
lässt. Erst recht nicht, wenn es in der Russland-Affäre ernst für
Trump wird.



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Datum: 01.08.2017 - 18:55 Uhr
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