Mittelbayerische Zeitung: Die Kriegsgefahr wächst / Kommentar zu Nordkorea:
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"Feuer und Zorn" den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un
beeindruckt haben, zeigte das Regime in Pjöngjang mit seiner neuen
Provokation. Erstmals ließ Kim eine Mittelstreckenrakete über Japan
hinweg feuern. Diese Machtdemonstration bedeutet einen
brandgefährlichen Schritt auf der militärischen Eskalationsleiter in
Asien. Es stellt sich die Frage, ob wir uns bereits am Vorabend eines
Kriegs befinden, oder ob es noch eine friedliche Lösung geben kann.
Man stelle sich vor, was in Deutschland und bei unseren europäischen
Nachbarn los wäre, würde hier etwas Vergleichbares passieren. Ein
unberechenbarer Atomstaat schießt eine Rakete über den Luftraum der
Bundesrepublik: Man würde es - so wie in Japan auch - als aggressiven
Akt verstehen. Und die Öffentlichkeit würde vehement fordern - so wie
es die Nachbarn Nordkoreas jetzt tun - die Bevölkerung gegen die
Bedrohung zu schützen. In Asien droht nun ein Rüstungswettlauf.
Staaten wie Südkorea und Japan werden vermutlich ihre Raketenabwehr
ausbauen - begleitet von Diskussionen, sich atomar zu bewaffnen. Kim
rasselt immer lauter mit dem Säbel. Er ignoriert die Warnungen aus
Washington, er stellt sich gegenüber dem UN-Sicherheitsrat taub, er
schert sich nichts um Sanktionen. Unbeirrt arbeitet der Diktator an
seinem Atomprogramm. Er lässt Langstreckenraketen entwickeln, die
Amerika erreichen könnten, er drohte mit einem Angriff auf den
US-Stützpunkt in Guam und treibt den Konflikt auf die Spitze.
Zunächst muss man Kims Motive unter die Lupe nehmen. Nordkorea ist
international fast völlig isoliert. Nur dank des Wohlwollens der
Schutzmacht China ist das Regime nicht schon längst kollabiert. Kim
wähnt sich von Feinden umzingelt. Deshalb will er seinen Gegnern
demonstrieren, dass er sich nicht wie andere Diktatoren so einfach
abservieren lässt. Als Überlebensversicherung hat er die atomare
Drohung in der Hinterhand. Gleichzeitig geht es bei den Raketentests
nüchtern betrachtet um die technische Verbesserung des
Waffenarsenals. Denn letztlich strebt Kim die Anerkennung als
Atommacht an. Sein Kalkül: Der nukleare Joker würde ihn unangreifbar
machen - und er könnte mit der Staatengemeinschaft auf Augenhöhe
kommunizieren. Zwar nicht als geachteter Staatsmann, sondern als
geächteter, aber gefürchteter Potentat. Es ist ein Spiel mit dem
Feuer. Denn niemand weiß, wie Kims großer Widersacher Trump letztlich
reagieren wird. Bislang beließ es der US-Präsident bei Warnungen via
Twitter, einer verstärkten Militärpräsenz in der Region und
gemeinsamen Manövern mit Südkorea. Nun schob er noch die
sibyllinische Erklärung nach, dass alle Optionen auf dem Tisch lägen.
Ein Präventivschlag der USA würde unvermeidlich zu einem großen Krieg
führen, in den Südkorea und China hineingezogen würden. Selbst dem
launischen und unberechenbaren Präsidenten Trump ist hoffentlich
klar, dass es bei einem derartigen Flächenbrand nur Verlierer gäbe.
Denn mit ein paar gezielten Luftschlägen wäre es nicht getan.
Nordkorea besitzt die viertgrößte Armee der Welt und hat eine Million
Soldaten in Waffen. Die USA müssten sich in ein militärisches
Abenteuer stürzen, das den Horror des Vietnamkriegs überträfe. Bei
einer Invasion in Nordkorea ständen die Amerikaner direkt an der
chinesischen Grenze. Außerdem bestünde das Risiko, dass Kim - falls
er mit dem Rücken zur Wand steht - seine Atomwaffen einsetzt. Das
Gebot der Stunde lautet Deeskalation. Statt Botschaften zu twittern,
die man als Androhung eines unmittelbar bevorstehenden Atomschlags
verstehen kann, sollte Trump zum Telefon greifen und mit Kim direkt
sprechen. Die Tatsache, dass Nordkorea die Drohungen aus den USA
einfach ignoriert, heißt nicht zwangsläufig, dass der Diktator einen
Handel ausschlägt, der sein Ego befriedigt und gleichzeitig die
Kriegsgefahr bannt. Natürlich ist es nur eine vage Hoffnung. Doch
hier könnte sich der US-Präsident endlich als großer Dealmaker
beweisen.
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Datum: 30.08.2017 - 19:04 Uhr
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