Allg. Zeitung Mainz: Bitterhart / Kommentar von Reinhard Breidenbach zu Sondierungsgesprächen
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Koalitionsverhandlungen, die ziehen sich über viele Monate - und
enden dann im Nichts. Was sind da vier oder fünf Wochen, die sich die
Protagonisten in Berlin geben? Wobei "sich geben" in mehrfacher
Hinsicht zutrifft. Wo steht geschrieben, dass Sondierungen flott von
der Hand gehen müssen? 2009 erwies sich die propagierte schnelle
schwarz-gelbe Traumhochzeit am Ende als ziemlicher Rohrkrepierer. Und
wer hat behauptet, solche Gespräche seien einfach? Oder gar
vergnügungssteuerpflichtig, weil man sich auf Ministerposten freuen
dürfe? Heißt: Es wird noch bitterhart. Ein Scheitern der Gespräche
wäre eine Sensation, aber es gibt fast nichts, was es nicht gibt im
Leben. Die Grünen haben schon beim Verbrennungsmotoren-Stopp
nachgegeben. Wenn sie jetzt noch beim Familiennachzug und/oder beim
Braunkohlen-Ende Federn lassen, haut ihnen ihre Basis das
Koalitionspapier mit Karacho um die Ohren. Der Grünen-Hauptkonkurrent
heißt CSU und befindet sich im absoluten Ausnahmezustand.
Seehofer-Dämmerung. Söder ante portas. Landtagswahl 2018. Kein
Wunder, dass die Christsozialen fürchten, jeder Millimeter
Zugeständnis werde ihnen von ihrer Basis als unverzeihliche
Kapitulation ausgelegt. Rein faktisch wird man konstatieren, dass der
Familiennachzug gebremst, die Beseitigung von Klima-Killern dagegen
forciert werden muss. Aber es kann sein, dass die Gesichtswahrung die
Fakten ziemlich in den Hintergrund drängt. Es kann sein, dass es
Neuwahlen gibt. Demokratie ist bisweilen sehr anstrengend - aber
absolut alternativlos.
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Datum: 17.11.2017 - 20:35 Uhr
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