EU-Urteil: DBU "sieht seit Jahren dringenden Handlungsbedarf"
ID: 1623465
Verschiedene Lösungsansätze als Alternativen
"Seit Jahren gelangt besonders beim Düngen und aus der Tierhaltung
gefährlich viel Stickstoff in Wasser, Luft und Böden. Die Einträge
sind zu einem der zentralen Umweltprobleme des 21. Jahrhunderts
geworden", kommentiert DBU-Generalsekretär Alexander Bonde das Urteil
des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg von heute. Die Richter
sehen eine Verletzung von EU-Recht, weil die Bundesregierung zu wenig
gegen Nitrate im Grundwasser unternommen hat. Bonde: "Die DBU sieht
hier seit Jahren dringenden Handlungsbedarf und fördert Dünge-,
Tierhaltungs- und Fütterungsmethoden, mit denen deutlich weniger
Stickstoffverbindungen in die Umwelt gelangen. Es gibt Alternativen!"
"Üblicher Umgang mit Dünger muss grundsätzlich überdacht werden"
Nur etwa 60 Prozent der gedüngten Stickstoffmengen fänden sich in
Deutschland später auch in den geernteten Produkten wieder, weltweit
seien es noch weniger, betont Bonde. Deshalb sei die Effizienz der
Stickstoffdüngung aus Umweltschutzgründen stark
verbesserungsbedürftig. Ansatzpunkte gebe es insbesondere bei den
Düngungsverfahren für Gülle und Mist: Schon im Stall, aber auch beim
Lagern und Ausbringen gehe Stickstoff verloren. "Der heute übliche
Umgang mit diesen Düngern muss grundsätzlich überdacht werden."
DBU: verschiedene Lösungsansätze bereits erarbeitet
Um die Emissionswerte von Stickstoff zu verringern, verfolge die
DBU seit Jahren verschiedene Lösungsansätze, die einerseits auf
verbesserte Düngetechnik und Lagerung von Dünger, andererseits auf
eine stickstoffarme und ressourcenschonende Tierhaltung abzielen.
Unter anderem werden Schnellmethoden zur Analyse von Nährstoffen an
der Hochschule Osnabrück entwickelt. Die Technische Universität
München optimierte das Stickstoffmanagement im Rapsanbau mit einem
Düngesystem, bei dem die Ökoeffizienz erhöht werden konnte. Dabei
erfassen Sensoren an den Landmaschinen berührungslos den
Versorgungszustand der Pflanzen mit Stickstoff. Auch das an der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg weiterentwickelte
Gülle-Strip-Till-Verfahren für den Einsatz organischer und
mineralischer Düngung sei sehr erfolgversprechend. Die
Georg-August-Universität Göttingen und die Firma Kotte Landtechnik
(Rieste) entwickelten ein System zur sogenannten Unterfußinjektion,
mit dem bei der organischen Düngung von Mais bis zu 90 Prozent
weniger Ammoniak in die Atmosphäre gelange. Schließlich gebe es aber
auch Handlungsmöglichkeiten für die Verbraucher. Bonde: "Der
gegenwärtig hohe Konsum tierischer Produkte wie Fleisch, Eier und
Milch kann gesenkt, und Lebensmittelabfälle sollten verringert
werden."
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Datum: 21.06.2018 - 14:30 Uhr
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