Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zum Verkehr in Ostbayern: Im Dauerstau bewegt sich was von Marion Koller
ID: 1650546
braucht dringend ein Gesamtkonzept für den Verkehr - nicht nur fürs
Auto, sondern für alle Formen der Mobilität. Und zwar so bald wie
möglich, nicht erst in fünf Jahren. Vor allem sind Sofortmaßnahmen
nötig. Zu lange haben Stadt und Land sich gegenseitig blockiert. Rund
um Regensburg stehen Autofahrer und Laster täglich im Stau. Ein
Unfall reicht aus, um alles lahmzulegen. Am letzten Donnerstag hat
sich die Situation wieder einmal zugespitzt. Weil ein Brummi auf der
A3 bei Neutraubling ins Stau-Ende krachte, ging in der ganzen Region
nichts mehr. Die Wirtschaft beobachtet das alles mit großer Sorge und
fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit. Ein Neumarkter Konzernchef
spricht von der zunehmenden Unkalkulierbarkeit des Verkehrs in
Ostbayern, weil seine Lkw oft im Stau stecken. Der Präsident der
Handwerkskammer, Dr. Georg Haber, nennt die Verkehrssituation gar
"geschäftsschädigend". Pendler starten noch eine Stunde früher, um
der Blechlawine auszuweichen. Dabei war der Dauerstau seit 20 Jahren
absehbar. Anfang der 2000er wurde klar, dass der wirtschaftliche Boom
und der wachsende überregionale Verkehr das Straßennetz an seine
Grenzen bringen werden. 2005 legten Münchner Forscher ein
Verkehrsgutachten für den Großraum vor, das eine Reihe neuer Straßen
und Brücken vorschlug. Bis auf die Ostumgehung in Regensburg ist
davon bis heute kein wesentliches Projekt realisiert worden. Zugleich
nimmt der Verkehr rasant zu: 76 000 Einpendler aus ganz Ostbayern
rollen jeden Tag nach Regensburg, 18 000 hinaus. Im letzten Jahrzehnt
ist allein die Zahl der Einpendler um 20 000 gewachsen. Die Politiker
haben lange nicht über ihre Stadt- und Landkreisgrenzen - geschweige
denn über ihre Parteien - hinausgeblickt. Stattdessen blockierten
sich die Domstadt und das Umland bei der Verkehrsplanung gegenseitig.
Im Herbst 2012 trafen sich die Regensburger CSU und die aus dem
Landkreis zu einer medienwirksamen Verkehrskonferenz und kündigten
eine Machbarkeitsstudie zum Bau von Parallelbrücken entlang der
Pfaffensteiner A93-Brücke an. Geschehen ist dann nichts. Die Stadt
mit dem damaligen OB Hans Schaidinger wollte eigentlich gar nicht.
Auch lassen sich Anwohner keine Großprojekte - wie die Sallerner
Regenbrücke - mehr überstülpen. Mehrere Klagen verzögern diese. Seit
dem A3-Ausbau verschärft sich die Situation. Erst jetzt, viel zu
spät, reagiert die Politik. Im Juli haben die Regensburger
OB-Vertreterin Maltz-Schwarzfischer, Landrätin Schweiger, MdB Aumer
und das bayerische Verkehrsministerium einen Mobilitätspakt
unterzeichnet. Straße, Bahn und Radwege sollen sinnvoll verknüpft
werden. Die fünf Landräte der Region wiederum setzen sich mit der
Bürgermeisterin für einen S-Bahn-ähnlichen Verkehr im 30-Minuten-Takt
auf bestehenden Gleisen ein. Rasch machbare Sofortmaßnahmen in der
Oberpfalz wären: ein besserer Bustakt in den Landkreis Regensburg und
die Region, günstigere Tickets und noch mehr Busspuren, damit die
ÖPNV-Nutzer rascher vorankommen als die Autos. Das Radwegenetz müsste
engmaschiger werden, Radschnellwege wären sinnvoll. Die Bahn sollte
sich intensiver auf die Pendler einstellen - mit kurzem Takt, mehr
Elektrifizierung und weniger Ausfall. Auch die Bürger können den
Verkehr entzerren. Fast die Hälfte der 70 000 täglichen Fahrten auf
der A3-Ausbaustrecke zwischen dem Kreuz Regensburg und Rosenhof geht
aufs Konto der Regensburger und der Umlandbewohner. Kurztrips könnten
vermieden werden. Ob der Ausbau des größten Nadelöhrs der Region, des
Pfaffensteiner Tunnels, wünschenswert ist, müssen Gutachter
entscheiden, die auch moderne Mobilität wie das autonome Fahren
beurteilen können. Der große Vorteil: Heute ist sich die Politik
einig, dass etwas passieren muss. Die Regensburger Verkehrskonferenz
am Mittwoch in der Conti Arena wird hoffentlich erste Lösungen
bringen.
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Datum: 17.09.2018 - 21:07 Uhr
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