Allg. Zeitung Mainz: Frankenstein / Kommentar von Claudia Nauth zu genveränderten Menschen
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beendet, sollten die Meldungen aus China über genmanipulierte Mädchen
tatsächlich stimmen. Die Petrischale ist unser neues Umfeld, in dem
die Auslese stattfindet. Wissenschaft und Gewissen zu kombinieren -
dieser Mühe unterziehen sich nicht alle Forscher, deren Ehrgeiz
stärker brennt, als moralische Bedenken überhaupt drücken können.
Dass es in diesem Fall Chinesen sind, das passt wie die DNA in eine
Zelle zu einem ethisch verlotterten Staat, der seit Jahrzehnten die
Menschenrechte missachtet und Mediziner sowie andere Wissenschaftler
in das Unterdrückungssystem der Partei einbindet - inklusive
Organentnahme bei Häftlingen und Zwangsbehandlung renitenter
Lagerinsassen. Peking arbeitet mit großer Härte seit der
kommunistischen Machtübernahme daran, den perfekt angepassten,
linientreuen Bürger zu erzwingen. Warum also nicht auch das Genom
manipulieren, wenn es irgendeinen Vorteil bringen könnte? Die Risiken
werden ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf genommen. Allerdings
sind es nicht nur die Chinesen, die ungerührt Grenzen überschreiten.
Schon lange wird in vielen Ländern an einer Veränderung von Embryonen
geforscht. Was wissenschaftlich möglich ist, das passiert auch
irgendwo. Das genoptimierte Kind und der menschliche Klon sind oder
waren nur eine Frage der Zeit. Dennoch: Auch wenn es bislang nicht
möglich war, gefährlichen Forscherdrang wirksam einzudämmen, ist
Resignation die falsche Antwort auf die Doktoren Frankenstein in den
Laboren dieser Welt. Es lohnt sich, für Darwins Erben zu kämpfen.
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Datum: 26.11.2018 - 18:59 Uhr
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