BERLINER MORGENPOST: Kühlen Kopf bewahren - Leitartikel von Michael Backfisch zur Eskalation des Streits zwischen Russland und der Ukraine
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brandgefährlich. Moskau beschießt in der Straße von Kertsch - der
Meerenge zwischen der Krim und Russland - ukrainische Marineschiffe
und kapert die Boote danach. Die Regierung in Kiew kontert mit
hochtouriger Rhetorik. Beide Seiten drehen an der
Eskalationsschraube. Russlands Ramm-Aktion gegen ukrainische Schiffe
ist demonstrative Kraftmeierei. Und illegal dazu.
Die aktuellen Muskelspiele passen zum verschärften Kurs Moskaus.
Seit Monaten werden internationale Handelsschiffe im Asowschen Meer
von Russland verstärkt kontrolliert und schikaniert. Es ist ein
Schlag gegen die ukrainischen Hafenstädte Mariupol und Berdjansk -
beides wichtige Transportzentren zur Versorgung des Landes. Dahinter
steckt das strategische Ziel des Kremls, die Ukraine und vor allem
ihre Anbindung an EU und Nato zu schwächen.
Dass Kiew in diese Eskalationsfalle hineintappt, ist bedauerlich.
Die Kriegsrhetorik der Regierung und die Benachrichtigung der
Reservisten sind überzogen. Auch die von Präsident Petro Poroschenko
angeordnete Verhängung des Kriegsrechts ist zu laut, zu schrill und
zu alarmistisch. Gut möglich, dass Poroschenko wenige Monate vor den
Präsidentschaftswahlen im März auch innenpolitisch punkten
will - in den Umfragen steht er derzeit nicht gut da.
All dies befeuert eine Zuspitzung des ohnehin gefährlichen
Konflikts zwischen der Ukraine und den durch Russland unterstützten
Separatisten. Seit der Annexion der Krim durch Moskau im März 2014
hat sich die Lage zunehmend verschärft. Bis heute sind mehr als
10.000 Menschen getötet worden.
Dass die weltpolitische Abstinenz der USA unter Präsident Donald
Trump die Gemengelage noch komplizierter macht, versteht sich von
selbst. Der Chef des Weißen Hauses kapriziert sich auf
Lieblingsfeinde wie den Iran oder Lieblingsfreunde wie den saudischen
Kronprinzen Mohammed bin Salman - trotz aller Komplott-Vorwürfe im
Mordfall Khashoggi.
Was nun umso mehr gefordert ist, ist Deeskalation. Die
internationale Diplomatie muss einen kühlen Kopf bewahren. Das gilt
vor allem für die EU, an deren Haustür der Konflikt zwischen der
Ukraine und Russland tobt.
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Datum: 26.11.2018 - 19:09 Uhr
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