Westfalen-Blatt: Kommentar zur Zeitumstellung

Westfalen-Blatt: Kommentar zur Zeitumstellung

ID: 1701575
(ots) - Deutschland kann bald wieder ruhig schlafen -
oder wenigstens besser. Zumindest die drei Millionen unserer
Landsleute, die bei der Online-Befragung der EU-Kommission im
vergangenen Jahr für die Abschaffung der Zeitumstellung votiert
haben. Außerhalb Deutschlands waren nur noch 1,6 Millionen EU-Bürger
vom zweimaligen Umstellen der Uhrzeit pro Jahr genervt. Ach ja: Es
leben 512 Millionen Menschen in der EU. An der Abstimmung nahmen
nicht einmal sechs Millionen teil. Nun lässt sich trefflich
streiten, ob der ursprüngliche Grund der Zeitumstellung
(Energieeinsparung) jemals erfüllt wurde. Da findet sich - wie in
vielen Lebensbereichen - die dem einen genehme, dem anderen nicht
genehme Statistik. Interessant ist allerdings die Verve der
Diskussion, auch in Sachen Auswirkung auf die Gesundheit. Zwei Mal im
Jahr die Uhr umzustellen scheint einen nicht unerheblichen Teil der
Deutschen offensichtlich um den Schlaf zu bringen. Als jemand, der
immer gut schlafen kann, fragt man sich jedoch: Wie verkraften das
zum Beispiel die Portugiesen und Spanier, die im Grenzgebiet leben
und regelmäßig ins Nachbarland mit entsprechender Zeitumstellung
wechseln? Und was ist mit Managern, Sportlern und ähnlichen
Berufsgruppen, die durch die Welt jetten und weit gravierendere
Umstellungen in weit kürzerer Zeit verkraften müssen? Müsste das
dann nicht eigentlich verboten werden? Und warum eigentlich stören
Zeitumstellungen im Urlaub nicht? Nun gut: 4,6 Millionen Menschen
haben entschieden, dass nicht mehr an der Uhr gedreht wird. Gestern
bekräftigte der fünfte EU-Ausschuss: So machen wir's. Wahrscheinlich
2021. Der Verkehrsausschuss, er war der letzte, hatte am längsten
auf der Bremse gestanden. Die Verkehrsminister wie der Österreicher
Nobert Hofer wollten keinen »Zeit-Fleckerl-Teppich« - und außerdem:


Wirtschaft first. Und ob nun Winter- oder Sommerzeit, da hat man
jetzt einen Arbeitskreis gegründet. Wegen Sonne in Warschau
vielleicht bald um drei Uhr früh. Hach, es wird noch spannend. Aber
mal im Ernst: Hätte man diese ganze Zeit nicht besser nutzen können?
Zum Schlafen beispielsweise - ob nun in der Winter- oder in der
Sommerzeit.



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Westfalen-Blatt
Scholz Stephan
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st_scholz@westfalen-blatt.de

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Datum: 04.03.2019 - 21:00 Uhr
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