Schwere Baumängel gefährden die Inbetriebnahme des Berliner Flughafens - Umbauten notwendig
ID: 1719029
Sperrfrist: 09.05.2019 18:00
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Sieben Jahre nach der geplatzen Eröffnung des Berliner Flughafens
BER bedrohen schwere Sicherheitsmängel die für 2020 geplante
Inbetriebnahme. Wie das ARD-Magazin KONTRASTE und rbb24 Recherche
berichten, sind neue Umbauten nötig. Im gesamten Gebäude des
Fluggastterminals wurden demnach auch Kabeltrassen mit Dübeln
verbaut, die keine erforderliche Brandschutzzulassung haben. Einige
Tausend dieser Dübel seien überdies in sensiblen Brandschutzbereichen
des Flughafens in dafür ungeeignete Kalksandstein-Wände verbaut
worden. In den betroffenen Trassen verlaufen Strom- und
sicherheitsrelevante Brandmeldekabel. Gegenüber KONTRASTE und rbb 24
Recherche bestätigte ein Insider, dass im brandschutzrelevanten
Medienkanal für diese Lasten ungeeigneter Kalksandstein verbaut
worden sei. Wenn dort ein Brand ausbreche, sei es noch "schlimmer, da
platzen die Steine auf." Wörtlich sagte der Insider: "Fällt da eine
Trasse runter, wird etwas abgeklemmt oder reißt da etwas, dann hat
das massive Auswirkungen auf die ganze Sicherheit." Tatsächlich
müssen diese Kabeltrassen auch im Falle eines Brandes weiter
funktionieren, um die Brandschutzsysteme, also Brandmelder und
Sprenkleranlagen zu versorgen.
In einem Bericht des TÜV Rheinland von Anfang März werden allein
im "Signalleitungsbereich" 9357 "wesentliche Mängel" protokolliert.
Nach der Recherche war das Problem der Dübel bereits in einem
TÜV-Bericht aus dem Jahr 2012 enthalten.
Bereits jetzt gibt es nach der Recherche sichtbare Schäden. So
sagte ein weiterer Insider gegenüber KONTRASTE und rbb24 Recherche
aus: "Es ist leider auf der Baustelle des BER schon vorgekommen, dass
diese falschen Dübel der Belastung durch leider fehlerhaft und auch
überbelegten Kabeltrassen nicht standhalten und so die Befestigung
sich gelockert hat." Die "fehlerhaft ausgeführten und überbelegten
Kabeltrassen" müssten jetzt entsprechend rückgebaut werden. Die
Flughafengesellschaft FBB hat gegenüber Kontraste und rbb 24
Recherche eine Stellungnahme abgelehnt. Es handele sich um
"Betriebsgeheimnisse". Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar
Woidke (SPD) sagte, er habe Kenntnis von dem Problem. Dieses lasse
sich aber lösen: "Ich vertraue der Geschäftsführung."
Die FBB hofft nun auf eine Sondergenehmigung durch die
Brandenburger Bauaufsichtsbehörden. Der Landrat von Dahme-Spreewald,
dessen Bauaufsicht am Ende zuständig für die Baugenehmigung ist,
machte gegenüber Kontraste und rbb24 Recherche aber bereits klar,
dass er keine Kompromisse in Sachen Sicherheit eingehen werde: "Auch
an mehreren tausend Plastikdübeln kann ein Flughafen scheitern."
Der baupolitische Sprecher der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus
Christian Gräff sieht die Inbetriebnahme bedroht. Wenn das Terminal
entkernt werden müsse, "dann müssen wir über das Gesamtprojekt BER
sprechen." Und man müsse über neue Standorte nachdenken.
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