Rheinische Post: Kommentar /
Letzter Schuss für die Deutsche Bank
= Von Antje Höning
ID: 1735353
sich einst als Herz der globalen Finanzwelt. Mit milliardenschweren
Zukäufen war sie aufgestiegen, um der Wall Street Paroli zu bieten.
Manche "Regenmacher", wie ihre Investmentbanker genannt wurden,
verdienten mehr als die Bank-Chefs. Und die waren so arrogant wie die
Bank reich. Hilmar Kopper nannte Millionen-Beträge "Peanuts", Josef
Ackermann träumte von 25 Prozent Rendite und mokierte sich über
Staatshilfe in der Finanzkrise. Doch Hochmut kommt bekanntlich vor
dem Fall. Bald zeigte sich, dass viele Geschäfte illegal waren. Die
Deutsche Bank wurde zur Kanzlei mit angeschlossener Bankabteilung.
Die Aktie stürzte ins Bodenlose.
Doch es könnte sein, dass der Bank-Lehrling aus Bielefeld, dass
Christian Sewing nun den Weg gefunden hat, um den Krisenkonzern aus
dem Schlamassel zu führen. Das zeigen auch die Reaktionen der
Gewerkschaften, die den Kurs trotz des geplanten Kahlschlags von
18.000 Jobs mittragen. Etwas von der alten Arroganz bleibt: Wieso
kann die Bank nicht sagen, wie viele Stellen in Deutschland wegfallen
und was mit Kündigungen ist? Doch der Weg zurück zur Bescheidenheit
ist richtig. Gegründet wurde die Bank, um deutsche Firmen ins Ausland
zu begleiten und Privatkunden zu betreuen. Zu diesen Wurzeln will
Sewing nun zurückkehren. Das Investmentbanking wird gestutzt, das
Casino der Bank wird geschlossen, die Hochrisikogeschäfte will man
anderen überlassen. Wichtig wird, dass die Bank diesen Kurs auch
durchhält. Zu oft hat sie in der Vergangenheit die Richtung geändert.
Und als besonders wendig hat sich Aufsichtsrats-Chef Paul Achleitner
erwiesen. Dass er auch diese Krise zu überstehen scheint, ist der
Wermutstropfen in dem ansonsten hoffnungsvollen Paket.
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Datum: 07.07.2019 - 20:50 Uhr
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