Allg. Zeitung Mainz: Hütchenspieler / Kommentar von Reinhard Breidenbach zum Brexit
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Chaos. Oder darüber lachen - aber das wäre Galgenhumor. Nicht gut.
Nein, das Brexitthema ist zu wichtig, um es jetzt auf Biegen oder
Brechen nach der Maxime "egal wie" zu Ende bringen zu wollen. Wer den
längsten Atem hat und die Nerven behält, gewinnt zumeist. Aber was
würde "gewinnen" bedeuten, bei diesem Fall? Da es offenbar sehr viele
Menschen auf der Insel gibt, die raus wollen aus der EU, wäre ein
erneutes Referendum die beste Lösung. Das erste Referendum war
keines. Es war eine Farce, aufgebaut auf Lug und Trug, auf
gottserbärmlichen Täuschungskampagnen der Brexit-Befürworter.
Willenserklärungen, in diesem Falle Referendumsvoten, die infolge
arglistiger Täuschung abgegeben werden, sind null und nichtig. Das
gilt in jeder Rechtsordnung der zivilisierten Welt. Der Hinweis, bei
jeder Wahl werde schließlich ein bisschen gelogen, ist nicht ganz
falsch, führt aber nicht weiter. Zu gigantisch war die Lügendimension
beim ersten Referendum. Falls sich die Dinge, warum auch immer, zum
leider sehr wahrscheinlichen Ergebnis hin entwickeln, ein zweites
Referendum sei nicht möglich, muss die Maxime lauten: Wenn schon
Brexit, dann auf keinen Fall ungeregelt. Zu viel steht auf dem Spiel,
sicher auch für die EU, aber in erster Linie für die Briten selbst.
Ein Crash brächte für die Europäer nicht zuletzt die psychologisch
verheerende Erkenntnis, erneut einem Populisten, aktuell nach Trump
dem zweitschlimmsten der westlichen Welt, nicht Paroli bieten zu
können. Wie die Sache auch ausgeht, schon jetzt hat sich Boris
Johnson in den Geschichtsbüchern verewigt: als Hütchenspieler.
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Datum: 20.10.2019 - 18:58 Uhr
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