Kommentar von Ekkehard Rüger zu Karneval und Hanau: Die Kraft des Karnevals
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nur Tilly, sondern auch Tollhaus, Volksfest, sendungsfreie Auszeit. Aber gerade
weil das närrische Treiben in seinen Hochburgen für eine gewisse Zeit diese
allumfassende Dominanz hat, ist es so entscheidend, wie klar in diesen Tagen
seine Positionierung ausfällt. Denn es geht nicht um die Frage, ob Hanau und
Helau zusammenpassen, sondern mit welcher Haltung Helau, Alaaf und Wuppdika
gerufen werden.
Darum diesmal nicht der ausgelutschte Vergleich zwischen den vermeintlich
gefühligeren Kölnern und bissigeren Düsseldorfern. Beides ist wichtig: das
Mitgefühl mit den Opfern (Köln) und die schonungslose Benennung der Ursachen
(Düsseldorf). Und es ist wichtig, dass es Andreas Schmitt, Sitzungspräsident von
"Mainz bleibt Mainz", bei seiner diesjährigen Büttenrede nicht bei ein paar
pflichtschuldigen Reimen belassen, sondern sich regelrecht in Rage geredet hat
gegen die rechten Hassprediger. Am wichtigsten aber waren die stehenden
Ovationen, die er dafür erntete, und die Riesenresonanz, die sein Beitrag im
Netz auch bei denjenigen fand, die sonst mit Karneval rein gar nichts am Hut
haben.
Denn raushalten gilt nicht mehr, nicht im Karneval, nicht im Fußballstadion,
nicht im stinknormalen Alltagsleben. Wenn das Gift des Rassismus eingedämmt
werden soll, muss viel deutlicher als bisher sichtbar werden, dass es noch nicht
überall seine Wirkung entfaltet hat. Und das gelingt nur, wenn sich alle berufen
fühlen, öffentlich Position zu beziehen.
Der Karneval besitzt Strahlkraft und er hat im Rheinland diesmal keinen Zweifel
gelassen, wofür er sie einsetzen will. Dass das keineswegs selbstverständlich
ist, zeigen die antisemitischen Verhöhnungen beim Umzug im belgischen Aalst. Wer
davor die Augen verschließt, macht sich mitschuldig. Wer widerspricht, verdient
lautstarken Applaus.
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Datum: 24.02.2020 - 17:56 Uhr
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