Eine Belastungsprobe für uns Bayern / Ab morgen ist ganz Deutschland im Urlaub. In Bayern wird das

Eine Belastungsprobe für uns Bayern / Ab morgen ist ganz Deutschland im Urlaub. In Bayern wird das zu Problemen führen. Denn man hat vielerorts zu lange zugeschaut. Von Andreas Brey

ID: 1833592
(ots) - Deutschland einig Urlaubsland. Morgen starten in Baden-Württemberg und damit auch im letzten Bundesland die Sommerferien. Von Sonthofen bis Flensburg genießen mehr als zehn Millionen Schüler und wohl mindestens ebenso viele Eltern nach diesem kräftezehrenden Schuljahr die Auszeit. Da man im ersten Halbjahr 2020 lockdown-bedingt weiß Gott genug Möglichkeiten hatte, die nähere Umgebung zu erkunden, lockt die Ferne noch mehr. Große Lust, sich wie eine Ölsardine mit Mundschutz in einen Ferienflieger zu setzen, verspüren nur wenige. Um bis zu 80 Prozent könnte die Zahl der internationalen Reisen dieses Jahr sinken. So hat es zumindest die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen prognostiziert. Deshalb suchen viele Deutsche die Erholung im eigenen Land. Das lenkt den Blick auf Bayern. Denn nicht nur Ministerpräsident Markus Söder befindet sich im deutschlandweiten Umfragehoch, auch der Freistaat, den er regiert, ist die beliebteste Urlaubsregion der Republik. Deshalb müssen wir Bayern uns auf eine echte Belastungsprobe einstellen. Damit die Lage nicht eskaliert, müssen unvernünftigen Gästen klar die Grenzen aufgezeigt werden. Fakt ist: Seit Jahren kennt die Branche das Problem des "Overtourism": Wenn zu viele Touristen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sind, wird es den Einheimischen verständlicherweise irgendwann zu viel. Bisher kannte man das von Touristen-Hochburgen wie Mallorca. Doch die Pandemie hat das Problem zu uns verschoben. Je näher man den Alpen kommt, umso schlimmer wird es. Völlig zurecht wehren sich dort immer mehr Menschen in kleinen Dörfern gegen die unkontrollierte Flut an Touristen, die wie Heuschreckenschwärme über das Voralpenland herfallen. Allein die Zahlen der Gemeinde Walchensee zeigen, dass hier etwas aus der Balance geraten ist: 250 Einwohner, 600 Stellplätze, aber mehr als 4000 Autofahrer, die an einem Ausflugstag versuchen, hier zu parken. Die zuständigen Behörden haben zu lange zugeschaut. Hubert Aiwanger (FW), seines Zeichens Wirtschaftsminister und damit auch für den Tourismus zuständig, kam jetzt mit einem halbgaren Lösungsansatz um die Ecke. Digital - mittels eines "Ausflugstickers" - solle das Problem gelöst werden. Dumm nur, dass bisher erst etwa ein Dutzend Ziele darin erfasst sind. Und die liegen zudem alle am Alpenrand. Ein Unding! Bayern ist doch mehr als Tegernsee & Co. Der Minister will die Touristenströme lenken. Das ist vernünftig, aber nicht ausreichend. "Bad Steben statt Bad Wiessee" - das wäre mal ein Ansatz. Heilbad, Spielbank, regionale Küche, unberührte Natur. Das alles gibt es auch im Frankenwald. Zugegeben, bei Anzahl und Qualität der Hotels gibt es hier Nachholbedarf. Viel weiter ist man da in Ostbayern. Oberpfälzer Wald, Bayerischer Wald - dort wurden mit Augenmaß und Gefühl für Regionalität die Angebote für Besucher ausgebaut. Kein Wunder, dass die Oberpfalz bei den Gästeankünften im Juli 2019 unter allen Regierungsbezirken das dickste Plus (4,7 Prozent) verbuchte. In der ganzen Debatte dürfen wir eines nicht vergessen. Der Bayern-Tourismus ist ein gigantisches Geschäft: Mehr als 30 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr, das ist etwa ein Drittel der Autoindustrie. Wenn es um solche Summen geht, sind Interessenskonflikte unausweichlich. Zu Beginn der Corona-Krise gab es eine neue Solidarität im Land. Doch davon ist wenig geblieben. Der Wunsch nach einem ungetrübten Urlaubserlebnis ist am Ende doch stärker als der Respekt vor Mit-Touristen, Einheimischen und der Natur. Eine Orientierungshilfe, wie viele Menschen bestimmten Regionen zugemutet werden dürfen, kann die Wissenschaft liefern. Tourismus-Experte Prof. Martin Lohmann brachte es einmal schön auf den Punkt: "Der Tourist ist in erster Linie nicht Opfer des 'Overtourism', sondern Täter." Recht hat er! Wir Bayern müssen hier mancherorts laut "Stopp" schreien. Es müssen nicht alle nach Rottach-Egern fahren. Es gibt auch andere tolle Plätze zum Urlaub machen.



Pressekontakt:

Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/62544/4664425
OTS: Mittelbayerische Zeitung

Original-Content von: Mittelbayerische Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Report Mainz: DGB fordert Spezial-Staatsanwaltschaften zum Schutz von Betriebsratswahlen Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zu Digitalisierung in Schulen
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 28.07.2020 - 19:16 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1833592
Anzahl Zeichen: 4339

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Regensburg



Kategorie:

Innenpolitik



Diese Pressemitteilung wurde bisher 793 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Eine Belastungsprobe für uns Bayern / Ab morgen ist ganz Deutschland im Urlaub. In Bayern wird das zu Problemen führen. Denn man hat vielerorts zu lange zugeschaut. Von Andreas Brey"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Dunkle Wolken am Tag der Arbeit / Die Gewerkschaften stehen vor großen Herausforderungen. Hohe Tarifforderungen sind nachvollziehbar, aber sie dürfen die Inflation nicht zu sehr befeuern. ...
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C

Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt

Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,


Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung


Report Mainz: DGB fordert Spezial-Staatsanwaltschaften zum Schutz von Betriebsratswahlen ...
Studien: Arbeitgeber behindern Wahlen von Betriebsräten / "Report Mainz" am Di., 28.7., 21:45 Uhr im Ersten / Moderation: Birgitta Weber Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes Reiner Hoffmann fordert Spezial-Staatsanwaltschaften zum Schutz von Betriebsratswahlen. Hoffmann sagte dem A

Corona-Testpflicht: Richtig, aber unzureichend / Kommentar von Thomas Fricker ...
Ein Zwangstest bei der Einreise wenigstens aus Risikogebieten kann einen Beitrag leisten, steigende Infektionsraten zu verhindern. Dass dieser Test nun vorgeschrieben werden soll, ist überfällig. Natürlich greift der Staat damit in Grundrechte Einzelner ein. Indes überwiegt der Nutzen für die A

Traue keinem! / Von Wirecard ließen sich alle blenden. Der Fall, der jenseits des Vorstellbaren liegt, könnte Olaf Scholz seine Kanzlerkandidatur kosten. Von Marianne Sperb ...
Wirecard war der strahlende Stern. 2018 stieg der Konzern in den Olymp der Dax-Konzerne auf und war zeitweise mit 24 Milliarden Euro wertvoller als die Deutsche Bank mit 20 Mal so vielen Mitarbeitern - ein Luftschloss, in dem sich alle schön einrichteten: Analysten, Aufseher, Anleger, Prüfer und P

Lauterbach verlangt Corona-Tests an Bahnhöfen in NRW ...
NRW-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer auch an den Bahnhöfen von NRW. "In NRW sollten die Tests auch an den großen Bahnhöfen in Köln und in Düsseldorf zumindest angeboten werden. Denn viele Reisende kommen mit der Bahn zurück. Dort könnten auc


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z