Alleingelassen auf Lesbos: Extreme Belastung für Anwohner und Geflüchtete / SOS-Kinderdörfer warnen vor Eskalation (FOTO)
ID: 1843841

(ots) - Die Stimmung zwischen Bewohnern und Geflüchteten auf Lesbos spitzt sich weiter zu: Die Wut der Anwohner richtet sich jetzt zunehmend gegen die Migranten - und macht auch vor Helfern und Kindern nicht Halt. Um die schwierige Situation zu deeskalieren, bräuchten alle Beteiligten gleichermaßen Unterstützung, sagt Popi Gkliva, Nothilfekoordinatorin der SOS-Kinderdörfer in Griechenland. Und zwar dringend, denn ein Großteil der über 12.000 Bewohner des abgebrannten Flüchtlingslagers Moria befände sich nach wie vor auf der Straße, darunter 4.000 Kinder und Jugendliche.
"Unsere Mitarbeiter wurden angegriffen und bedroht, ebenso wie Familien und Minderjährige", berichtet Gkliva. "Die Flüchtlingskinder, die wir betreuen, sind völlig verstört. Einige haben Bilder gemalt, auf denen sie von griechischen Anwohnern mit Steinen beworfen werden. Aber auch die einheimischen Kinder sind verschreckt und trauen sich zum Teil nicht mehr auf die Straße", so Gkliva weiter. Die Situation sei für beide Seiten unerträglich.
"Die Geflüchteten sind am Ende ihrer Kräfte und oberstes Gebot ist es, die Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Hygiene und Versorgung zu erfüllen. Gleichzeitig müssen auch die griechischen Bewohner der Insel wirtschaftliche und psychologische Unterstützung bekommen. Sie werden seit sieben Jahren mit der Situation alleingelassen und viele sind in existenzielle Not geraten", sagt Gkliva. Der Tourismus und die Wirtschaft seien stark zurückgegangen, die zusätzliche Belastung durch die Corona-Maßnahmen breche vielen Menschen das Genick.
Bereits in der Vergangenheit war es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Geflüchteten und Einheimischen gekommen, die nach der Zerstörung des Camps wieder zugenommen hatten. Griechische Anwohner hätten zum Beispiel Zufahrtswege blockiert, um die Aufräum-Arbeiten in Moria zu behindern.
"Wir müssen endlich eine dauerhafte menschliche Lösung finden - und zwar jetzt", sagt Gkliva. Europäische Staaten müssten einen Teil der Menschen aufnehmen. Gleichzeitig müssten in Kooperation mit den griechischen Bewohnern Wege gefunden werde, diejenigen Geflüchteten zu integrieren, die auf Lesbos und dem griechischen Festland bleiben werden. "Es geht nur gemeinsam! Wenn wir die einheimische Bevölkerung außen vorlassen, haben wir keine Chance", sagt Gkliva.
Die SOS-Kinderdörfer unterstützen sowohl notleidende griechische Kinder und Familien als auch Flüchtlinge. In den SOS-Sozialzentren wird die Integration Geflüchteter seit Jahren gefördert.
Pressekontakt:
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Boris Breyer
Stellvertretender Pressesprecher
SOS-Kinderdörfer weltweit
Tel.: 089/179 14-287
E-Mail: mailto:boris.breyer@sos-kd.org
http://www.sos-kinderdoerfer.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/1658/4706581
OTS: SOS-Kinderdörfer weltweit
Original-Content von: SOS-Kinderdörfer weltweit, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 15.09.2020 - 04:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1843841
Anzahl Zeichen: 3092
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Athen
Kategorie:
Soziales
Diese Pressemitteilung wurde bisher 1515 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Alleingelassen auf Lesbos: Extreme Belastung für Anwohner und Geflüchtete / SOS-Kinderdörfer warnen vor Eskalation (FOTO)"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
SOS-Kinderd (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Deshalb ruft die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer gemeinsam mit CEWE die Menschen in Deutschland zu Spenden auf. Das Besondere daran: Alle Spenden, die am 29. November bis 24 Uhr bei den SOS-Kinderdörfern weltweit eingehen, werden verdoppelt. CEWE hat dafür insgesamt 50.000 Euro eingeplant.
Hexenkinder in Afrika: Klimawandel, Krankheiten, Kostenanstieg: Warum Kinder in Ländern wie Benin, Nigeria und der Demokratischen Republik Kongo willkürlich als Sündenböcke für Krisen herhalten m ...
Das Ausbleiben der Ernte, der Tod eines Familienmitglieds oder ansteigende Preise: "Geschieht im Ort etwas Negatives, macht man sich auf die Suche nach einem Schuldigen für die Misere. Hierzulande sind es häufig Kinder, die als Hexer:innen stigmatisiert werden", erklärt Armand Tchoffo
Pakistan: Fast vier Millionen Kinder von medizinischer Versorgung abgeschnitten (FOTO) ...
Je weiter die Überschwemmungen in Pakistan zurückgehen, desto sichtbarer werden die Folgen der Flutkatastrophe: Nach Angaben der SOS-Kinderdörfer sind fast vier Millionen Kinder sind derzeit von der medizinischen Versorgung abgeschnitten, für mehr als 650.000 schwangere Frauen ist es schwierig
Weitere Mitteilungen von SOS-Kinderd
Werden Sie Lebensretter! / DRF Luftrettung beteiligt sich an "Woche der Wiederbelebung" 2020 (FOTO) ...
150 Fälle von Herzstillstand auf der Straße oder zuhause jeden Tag in Deutschland -möglicher Hirntod nach nur fünf Minuten - 10.000 Leben mehr, die durch rechtzeitige Reanimation gerettet werden könnten: Das sind die Fakten rund um das Thema Laienreanimation*. Die gute Nachricht ist: Wir alle k
Zum Weltkindertag (20.9.) und dem Welt-Alzheimer-Tag (21.9.): Alzheimer-Krankheit auch für Kinder eine Herausforderung ...
Alzheimer betrifft alle Altersgruppen: Über 1,2 Millionen Menschen leben in Deutschland mit der Alzheimer-Krankheit. Die Erkrankung ist für Patienten eine Herausforderung, aber genauso auch für Angehörige. In vielen Familien erleben Kinder die Alzheimer-Erkrankung ihrer Großeltern oder eines an
Pressestatement: "Die Verzweiflung wächst" / SOS-Kinderdörfer unterstützen obdachlose Familien und Kinder (FOTO) ...
Popi Gkliva, Nothilfekoordinatorin der SOS-Kinderdörfer weltweit in Griechenland "Während die EU-Staaten über die Zahl der Menschen diskutieren, die sie aufnehmen wollen, eskaliert auf Lesbos die Verzweiflung. Einige Jungen und Mädchen sind in den Unruhen verlorengegangen und werden immer
Michael Müller (SPD): Lage der Flüchtlinge auf Lesbos ist "ein Skandal" ...
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nennt die Lage der Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos "Skandal". Er forderte am Freitag in der rbb-Abendschau mehr Einsatz für die Menschen im abgebrannten Lager Moria. Innensenator Andreas Geisel (SPD) werde nach seine




