Corona darf uns nicht kleinkriegen / Die Staatsschulden türmen sich. Die Wirtschaft ächzt. Die Ungewissheit ist groß. Doch wir müssen der Dauerkrise nicht den Zusammenhalt in der Gesellschaft opfern.
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Der Preis der Pandemie ist sehr, sehr hoch: Das betrifft längst nicht nur den exorbitanten Schuldenanstieg in den Etats von Bund und Land - allein Bayern wird 2022 den 20-Milliarden-Sondertopf komplett leerräumen müssen, den es zu Beginn der Corona-Krise bereitgestellt hat. Es umfasst nicht allein die immensen Einnahmeausfälle in vielen Wirtschaftsbranchen, die mit Notprogrammen mehr schlecht als recht überlebt haben und weit von einem florierenden Geschäft entfernt sind. In der Krise bröckelt auch der Zusammenhalt der Gesellschaft. Geimpfte und Ungeimpfte sind in heftige Opposition geraten. Darüber hinaus haben sich kleine, aber sehr gefährliche Gruppen formiert, die Umsturzphantasien gerne in die Tat umsetzen würden. Das wirft eine zentrale Frage auf.
Wann ist eigentlich der große Gemeinschaftssinn auf der Strecke geblieben, der in der ersten Welle so wohltuend war? Dringend nötig ist ein neuer Ruck, gestützt von der unbedingten Überzeugung, dass damit zwar nicht alles gut, aber vieles besser wird. Für die Wirtschaft wäre es beispielsweise ein wichtiger Beitrag, wenn Kunden bei Händlern in der Region kaufen. Das würde Firmenchefs und Beschäftigten mehr Freude bereiten als jede Staatshilfe, die aufwändig beantragt werden muss. Kit für die Gesellschaft wäre, die wohl rund 25 Prozent der Mitbürger mit starken Zweifeln am Corona-Reglement nicht abzuhaken. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck empfiehlt zu Recht den respektvollen Streit um den besten Weg, der als Benefit übrigens wechselseitigen Erkenntnisgewinn bringt. Grundvoraussetzung ist einzig, dass unbestreitbare Fakten Geltung behalten. Jede Mühe vergebens ist allein bei der sehr kleinen, gewaltbereiten Fraktion. Sie ist ein Fall für die Justiz, die konsequent dagegen einschreiten muss.
Beim Versuch, die Dinge zum Positiven zu wenden, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Es gibt in der Oberpfalz sehr gute Vorbilder in vielen Bereichen: Dem Regensburger Michael Buschheuer ist es mit seinem Sea-Eye-Projekt gelungen, Europa zu einem gerechteren Ort zu machen - schlicht, weil er angepackt, Mitstreiter gesucht und nicht mehr locker gelassen hat. Bei der Corona-Bekämpfung setzen am kommenden Wochenende Hausärzte im Landkreis Regensburg ihr eigenes schönes Signal: Für das "Weihnachtsimpfen" werden in 38 Praxen Sonderschichten eingelegt. Eine richtig gute Idee, speziell mit Blick auf die Omikron-Variante, die mit einem Booster besser abzuwehren ist.
Klar ist natürlich: Selbst größter Gemeinschaftssinn kann nicht aus der Welt schaffen, dass die Pandemie Ungewissheiten und Umbrüche mit sich bringt. Wir alle haben aber deutlichen Einfluss darauf, wie sehr wir der Krise gestatten, dass sie uns auch menschlich klein macht. Wollen wir ein Land der Zauderer sein, das nur im Blick hat, was gerade schiefläuft - oder ein Land der Tatkräftigen, in dem Politik wie Bürger alles Erdenkliche aus dem Weg räumen, um so allen Mut zu machen?
Wie nötig ein Ruck ist, zeigt eine aktuelle Umfrage, die belegt, wie sehr sich die Fronten verhärtet haben. 86 Prozent der Geimpften betrachten Ungeimpfte als verantwortungslos. Ungeimpfte wiederum fühlen sich gegängelt und genötigt - nicht erst seit der neuen 2G-Regel für weite Teile des Handels. Der hohe Stresspegel in der Pandemie schürt Emotionen. Doch gegenseitige Verachtung ist keine Lösung. Das Stimmungsbild muss sich rasch drehen.
Vom früheren Bundesgesundheitsministers Jens Spahn bleibt der Satz im Gedächtnis, wonach wir uns am Ende der Pandemie viel verzeihen werden müssen. Die entscheidende Frage ist inzwischen: Was werden wir uns wirklich verzeihen können? Sofort verbal abzurüsten, und zwar auf allen Seiten, würde den Neustart spürbar erleichtern.
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Datum: 09.12.2021 - 19:53 Uhr
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