Neue OZ: Kommentar zu Parteien / FDP / Dreikönig
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Es ist gespenstisch bei der FDP. Sie klammert sich an Rituale,
weil es andere Gewissheiten nicht mehr gibt. Das Dreikönigstreffen im
Stuttgarter Staatstheater ist ein solches Ritual, das nach einem Jahr
der Pleiten die Wende markieren soll. Aber die FDP verpatzt es
wieder, sie ist in Lebensgefahr und betreibt dennoch das alte Spiel
um Intrigen und Macht. Dazu schraubt sie die Erwartungen an
Parteichef Rösler in aberwitzige Höhen. An dem absurden Anspruch, mit
einer Rede die FDP wiederzubeleben, muss der Vorsitzende scheitern.
Eine schwere Belastung sind auch die unglücklichen Bemerkungen des
neuen Generalsekretärs, Rösler sei kein Kämpfer. Wie soll Dr. Rösler
da ein Wunderheiler sein?
Der 38-Jährige bleibt hinter den Erwartungen weit zurück. Klug in
seiner Rede ist vor allem dies: Das Wort Steuersenkung kommt nicht
mehr vor. Es war schon sehr einfallslos, dass er im Mai diese alte
Westerwelle-Platte wieder aufgelegt hatte. Ob Röslers neues Megathema
Wohlstand und Wachstum die FDP elektrisiert, steht dahin. Gestern war
der Beifall nicht überschwänglich, auch, weil viele Fragen
offenblieben. Die Gefahr, dass es Röslers erster und letzter Auftritt
als Hauptdarsteller beim Dreikönigstheater ist, bleibt groß. Der alte
Kämpfer Rainer Brüderle, FDP-Fraktionschef im Bundestag, darf gestern
zwar nicht reden, aber er steht bereit.
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Datum: 06.01.2012 - 22:00 Uhr
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