Mittelbayerische Zeitung: Geistiges Uneigentum Die Proteste gegen ACTA zerren eine wichtige Frage in

Mittelbayerische Zeitung: Geistiges Uneigentum
Die Proteste gegen ACTA zerren eine wichtige Frage ins Licht: Wem gehören Ideen und was dürfen sie kosten? Leitartikel von Martin Anton

ID: 572270
(ots) - Die Lage scheint entschärft. Die
Bundesregierung hat einen Tag vor dem europaweiten
Anti-ACTA-Protesttag angekündigt, das internationale Abkommen gegen
Fälschungen vorerst nicht zu unterschreiben. Die Entscheidung liegt
jetzt zunächst beim Europäischen Parlament, ob die Richtlinie im
Umgang mit Produktpiraterie und Urheberrechten für die 27
Mitgliedstaaten in Kraft treten soll. Damit hat sie die Verantwortung
für eine notwendige Diskussion vertagt. Dabei wäre es wichtig
festzustellen, was geistiges Eigentum heutzutage bedeutet. Zunächst
einmal steht fest, das geistiges Eigentum schützenswert ist. Das
lässt sich an ganz einfachen Beispielen vermitteln. Niemand hat es
gerne, wenn die eigene Idee auf der Arbeit geklaut wird, ohne das man
dafür Anerkennung erhält. Auch sollte es selbstverständlich sein,
dass ein Künstler, der mich mit seinem Schaffen berührt, dafür
entsprechend entlohnt wird - genauso wie ein Forscher, der
innovatives Wissen entwickelt. Nun ist Urheberrecht nicht immer so
unmittelbar erlebbar. Das beispielsweise zwischen Musiker und
Konsument ein Vermittler steht, der an seiner Rolle verdient ist
größtenteils auch nachvollziehbar. Das derzeitige Urheberrecht
überträgt aber die Regeln des analogen Musikhandels - um bei diesem
Beispiel zu bleiben - auf die Situation im Netz. Wann man eine
Musikdatei im Internet teilen möchte, macht man sich strafbar.
Sicherlich, erreicht das digitale Mixtape nicht nur sieben Freunde
sondern unter Umständen auch den Rest der Welt. Aber ist es deswegen
sinnvoll, jeden zu kriminalisieren, der im Internet Bilder und Musik
ausgetauscht hat? Oder ist es vielmehr an der Zeit, den Schutz
geistigen Eigentums an die technischen Möglichkeiten anzupassen, die
nun einmal existieren? Zudem konzentriert sich die gegenwärtige
Diskussion leider auf die Recht- oder Unrechtmäßigkeit von


File-Sharing. Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger kann
sich vorerst auch deswegen in die Regierungsbank zurücklehnen, weil
Deutschland ohnehin eines der strengsten Urheberrechtsgesetze der
Welt hat - nicht ohne Grund. Die deutsche Wirtschaft oder Produkte
"Made in Germany" sind vor allem für zwei Dinge bekannt: Qualität und
Innovation. Wenn es nicht gelingt, die Forschungsergebnisse und die
eventuell daraus entstehenden Patente ausreichend zu schützen,
verlieren die Unternehmen einen, wenn nicht sogar den wichtigsten
Wettbewerbsvorteil im Kräftemessen mit Firmen, die an Entwicklungs-
und Produktionskosten sparen. Doch was, wenn es nicht um eine
besonders praktische Kettensäge oder ein vorbildlich effizientes Auto
geht, sondern um neue Medikamente und angeblich überlegenes Saatgut?
Wenn es also um das Recht an der Heilung und Ernährung von Menschen
geht? Anwendbare Forschung wird heutzutage fast ausschließlich von
Unternehmen oder zumindest in Kooperation mit ihnen praktiziert. Die
geben sich natürlich nicht damit zufrieden, wie Alexander Fleming
geadelt zu werden, wenn sie ein das Penicillin entdecken. Schließlich
muss Forschung finanziert und ein Profit erreicht werden. Keine
Angst, es geht nicht um Kulturpessimismus. Doch kann es auch nicht
sein, dass das Urheberrecht auch auf die Gefahr hin geschützt wird,
dass Menschen sterben, nur weil Anerkennung keine Währung mehr für
geistiges Eigentum ist. Die Chance, das gegenwärtige Interesse an
ACTA für grundlegende Überlegungen für den Allgemeinwert von Ideen zu
nutzen, sollte nicht verpasst werden - auch nicht vorerst.



Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  WAZ: Verbote helfen. Kommentar von Daniel Freudenreich Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema: Duisburg vor der Wahl
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 10.02.2012 - 19:55 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 572270
Anzahl Zeichen: 3985

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Regensburg



Kategorie:

Innenpolitik



Diese Pressemitteilung wurde bisher 265 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Geistiges Uneigentum
Die Proteste gegen ACTA zerren eine wichtige Frage ins Licht: Wem gehören Ideen und was dürfen sie kosten? Leitartikel von Martin Anton
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Dunkle Wolken am Tag der Arbeit / Die Gewerkschaften stehen vor großen Herausforderungen. Hohe Tarifforderungen sind nachvollziehbar, aber sie dürfen die Inflation nicht zu sehr befeuern. ...
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C

Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt

Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,


Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung


WAZ: Verbote helfen. Kommentar von Daniel Freudenreich ...
Eine neue Studie zeigt: Rauchen ist out bei jungen Leuten. Zum Glück! Das liegt zum einen an einer guten Präventionsarbeit, gerade bei den Minderjährigen. Doch machen wir uns nichts vor: Ohne Rauchverbote, höhere Tabaksteuern und Werbeeinschränkungen wäre der Tabakkonsum nicht so stark rüc

WAZ: Sauerland ist eine tragische Figur. Kommentar von Wilhelm Klümper ...
Egal, wie das Abwahlverfahren in Duisburg ausgeht: Adolf Sauerland bleibt eine tragische Figur. Wird er abgewählt, dann verliert Duisburg einen Oberbürgermeister, der sich stets für seine Stadt ins Zeug gelegt hat. 2004 eroberte der Christdemokrat die SPD-Hochburg - eine Sensation. Die Bürge

Mittelbayerische Zeitung: Kippe aus, Flasche leer Kommentar zum Alkoholkonsum von Jugendlichen ...
Jetzt rauchen Jugendliche weniger, dafür wird aber immer mehr gesoffen?! Entsprechende Studien haben gezeigt, dass Rauchverbote, drastische Warnhinweise und "Rauchen-ist-eklig"-Kampagnen nur dürftige Wirkung entfaltet haben, weil das Rauchverhalten überwiegend über den Zigaretten-P

DER STANDARD-Kommentar: "Ausgewogenheit der Schmerzen" von Michael Völker ...
Das politische Marketing arbeitet mit der Kategorie Gewinner und Verlierer. Idealerweise stünden jetzt Kanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger als Gewinner da. Idealerweise hätte man auch in der Sache etwas erreicht und eine reale Chance gewonnen, das gesamtstaatliche Defizit t


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z