BERLINER MORGENPOST: Die Kanzlerin im Wolfsrudel - Leitartikel

BERLINER MORGENPOST: Die Kanzlerin im Wolfsrudel - Leitartikel

ID: 584035
(ots) - Lawinen beginnen oft zufällig. Fast nie fallen
anfangs große Brocken, vielmehr kullern zunächst Krümel vom Gipfel
hinab. Angela Merkel hat in diesem Winter die Höhen der Macht
erklommen. Ganz Europa macht Männchen, in der Partei lauert nirgendwo
ein Rivale, die Opposition ist auf Distanz. Das Tückische am
Machtgipfel: Überall geht's nur bergab. Der Niedergang des
Bundeskanzlers Schröder kündigte sich an, als er die Wiederwahl 2002
geschafft hatte, auf dem Höhepunkt des Ruhms. Ministerpräsident
Stoiber war wenige Monate nach dem historischen Zweidrittelsieg
erledigt. Zufall, dass in Berlin erste Krümel kullern? Die
machtschlaue Kanzlerin weiß um die Sprengkraft jener symbolischen
Momente, die nach Erosion aussehen. So schmerzte sie beim Ringen um
den Bundespräsidenten weniger die Person Gauck als der Nimbus der
Allmacht, der plötzlich dahin war. Ausgerechnet der Machtpraktikant
Rösler führte die Hilflosigkeit der Chefin vor und kommentierte ihre
Niederlage auch noch frech. Röslers überraschender Triumph wird noch
brutalstmöglich bestraft werden, gleichwohl dürfte sich nicht nur in
der FDP die Angststarre auflösen, die den übergehorsamen Westerwelle
noch gelähmt hatte. Auch die notorisch profilierungshungrigen Bayern
entdecken die Lust am Kanzlerinnenquälen. Kalkuliert zirkelte der
ansonsten nicht sehr auffällige Bundesinnenminister Friedrich seine
Bedenken zur Griechenlandhilfe auf den Tag der Abstimmung, garantiert
mit Wissen der Münchner Zentrale. Die Bundesverfassungsrichter mögen
ebenfalls verstohlen gegrient haben, als sie dem parlamentarischen
Sondergremium zur EU-Rettung die Legitimität absprachen und mithin
die Kanzlerin in die Schranken wiesen. Halb so schlimm, wenn
Koalitionspartner oder Institutionen quengeln - das gehört dazu.
Bedrohlich wird die Lage, wenn die eigene Partei die Gefolgschaft


verweigert. Die Selbstverständlichkeit, mit der CDU-Abgeordnete gegen
das Griechenland-Paket stimmten, darf man getrost als
Respektlosigkeit gegenüber der Parteivorsitzenden interpretieren.
Über den Wiedereinzug in den Bundestag wird eben nicht im Kanzleramt,
sondern im Wahlkreis entschieden. Und dort sind die Milliarden für
Athen kaum zu erklären. Konsequenzen? Muss kein Abgeordneter
fürchten. Im schlimmsten Fall kommt Angela Merkel im Wahlkampf nicht
vorbei. Da ist die Rebellenrolle allemal werbewirksamer. Die
Kanzlerin hatte nun mal das Pech, sowohl bei Gauck als bei
Griechenland nicht mit der Mehrheit im Bunde zu sein. Wie im
Wolfsrudel erkennen die CDU-Freunde kleinste Schwächen sofort, sie
zerren hier, sie beißen da, sie gucken, wie stark die Leitwölfin
wirklich ist. Macht hat zuweilen mit Gewalt um der Gewalt willen zu
tun. Wer oben sitzt auf dem Felsen, muss jeden Anschein von Schwäche
vermeiden. Macht-Routinier Helmut Kohl spürte sofort, dass da was in
Bewegung kommen könnte, und sprang der Vorsitzenden bei. Wer die
Kanzlerin als Nächster herausfordert, darf sich auf ziemlichen Zorn
gefasst machen.



Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST

Chef vom Dienst

Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Ostsee-Zeitung: Bundespräsidenten-Kandidat Joachim Gauck kommt nach Schwerin Südwest Presse: Kommentar  zur  KOALITION
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 28.02.2012 - 20:07 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 584035
Anzahl Zeichen: 3446

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Innenpolitik



Diese Pressemitteilung wurde bisher 220 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"BERLINER MORGENPOST: Die Kanzlerin im Wolfsrudel - Leitartikel"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

BERLINER MORGENPOST (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

"Berliner Morgenpost" Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den

"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den

"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den


Weitere Mitteilungen von BERLINER MORGENPOST


Ostsee-Zeitung: Bundespräsidenten-Kandidat Joachim Gauck kommt nach Schwerin ...
Bundespräsidenten-Kandidat Joachim Gauck besucht den Schweriner Landtag. Der ehemalige Rostocker Pastor kommt am 6. März auf Einladung der Fraktionen von SPD, CDU und Grünen in die Landeshauptstadt. Dies bestätigte CDU-Fraktionssprecher Wolfram Axthelm der OSTSEE-ZEITUNG. Zusammen mit de

Westfalenpost: Kommentar zu Justiz/Gesetze/Regierung/Parlament/Griechenland/Gericht bekräftigt Abgeordneten-Recht/Von Winfried Dolderer ...
Zwei Tage, zwei Schauplätze: Zunächst in Berlin die Abstimmung über das neue Griechen-Hilfspaket. In Karlsruhe am Morgen danach das neueste Urteil zur Euro-Rettung. Eine reizvolle Abfolge, keine Frage. Schließlich war im Bundestag einmal mehr die ganz große Koalition der Euro-Retter zu besi

Westfalenpost: Kommentar zu Justiz/Opfer/Straftaten/NRW will mehrüber die Täter informieren/Von Rolf Hansmann ...
Opfer von Straftaten bedürfen besonderer Hilfen und staatlichen Schutzes. Doch nicht selten fühlen sich Opfer auch Jahre nach den Taten hilflos und mit ihren seelischen und körperlichen Verletzungen alleingelassen. Das hängt damit zusammen, dass die Gewichte in der Justiz in der Vergangenhei

Lausitzer Rundschau: Flensburger Bahnhof Ramsauer und die Punktereform ...
Peter Ramsauer will unbedingt als der Verkehrsminister in die Geschichte eingehen, der das immer komplizierter gewordene Flensburger Punktesystem auf neue Füße gestellt hat. Und das macht der Minister geschickt: Vor wenigen Wochen ließ er einen Testballon steigen, um zu schauen, wie stark si


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z